Copyright: David Pursehouse - Flickr  http://goo.gl/aT0EfR

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Ihr Hund ist eigentlich total lieb und hat noch niemandem ein Haar gekrümmt. Trotzdem haben Sie gerade ein Bußgeld erhalten, weil Bello ohne Leine durch den Park gestreunert ist. Das ist keinesfalls gerecht, aber nach gültigem Recht leider zulässig. Wie die Hundehaltung geregelt wird, ist im Detail Ländersache und demnach ergeben sich von Bundesland zu Bundesland Abweichungen. Wir wollen uns mal die Gesetze und Bestimmungen für das Land Berlin ansehen (STAND: 11.11.2014).

Vor der Reise informieren

Sie kennen die Vorschriften zur Hundehaltung in ihrem Bundesland innen und auswendig? Das ist gut, aber wenn Sie mit ihrem Vierbeiner in ein anderes Bundesland fahren, sollten Sie sich im Vorfeld die dortigen Bestimmungen ansehen. Was in Berlin legal ist, kann in Bayern mit einem Bußgeld belegt werden und Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

An Berlin scheiden sich die Geister

Die Stadt Berlin selber wirbt damit im Jahr 2011 von einem Tiermagazin zur hunde-freundlichsten Stadt Deutschlands gewählt worden zu sein. Viele Hundehalter sehen das aber anders und gerade in Parks und öffentlichen Grünanlagen kommt es des Öfteren zu Auseinandersetzungen zwischen Hundehaltern und Ordnungshütern, über den Sinn und Unsinn des Leinenzwangs. Einen generellen Leinenzwang gibt es in Berlin nicht. Auf Straßen und Plätzen besteht eine Leinenpflicht nur dann, wenn es zu größeren Menschen-ansammlungen kommt, dann muss der Hund an einer Leine mit einer maximalen Länge von 1 Meter geführt werden. Diese Vorschrift gilt ebenso für Treppenhäuser, Zugänge zu Wohnhäusern, Büros, Geschäfte, Geschäftshäuser, Verwaltungsgebäude, den öffentlichen Nah-und Fernverkehr, Bahnhöfe und in Fußgängerzonen. Eine 2 Meter lange Leine benötigen Sie in  Parks, Grün- und Erholungsanlagen, Waldflächen, Kleingartenanlagen, Sportplätzen und Campingplätzen. Nach Aufzählung all dieser Ausnahmen, bestätigt sich die generelle Leinenfreiheit doch eher als rhetorischer Kniff. Lediglich auf nicht überfüllten Straßen und Plätzen und in gekennzeichneten Hundeauslaufflächen dürfen Sie ihren Hund von der Leine lassen. Ausnahmen gelten ebenfalls für die im folgenden Abschnitt näher besprochenen Listenhunde. Diese dürfen nur in ausgewiesenen Hundefreilaufflächen von der Leine gelassen werden, allerdings nur mit Maulkorb.

Maulkorbpflicht

Generelle Verwirrung herrscht oft, wenn die Maulkorbpflicht zum Tragen kommt. Eine generelle Maulkorbpflicht gilt in Berlin nämlich nur für sogenannte Listenhunde. Dabei handelt es sich um vom Gesetzgeber als gefährlich eingestufte Hunde. Dies Liste umfasst im Berliner Hundegesetz momentan folgende 10 Rassen und alle Mischungen mit Beteiligung dieser Rassen: Pit-Bull,  American Staffordshire Terrier, Bullterrier,  Tosa Inu,  Bullmastiff,  Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff. Ist ein Hund wiederholt durch Bissigkeit aufgefallen, zieht der Maulkorbzwang ebenfalls, selbst wenn es sich dabei nicht um einen Listenhund handelt. Natürlich ärgern sich viele Hundehalter über diese Pauschalisierung, aber auch hier sitzen Sie am kürzeren Hebel. Bei Zuwiderhandlung können Sie nicht nur mit einem Bußgeld bestraft werden, bei Listenhunden können die Behörden Ihnen das Tier, nach wiederholter Missachtung der geltenden Gesetze, abnehmen. Drehen Sie es wie sie wollen, ein Listenhund muss immer und überall einen Maulkorb tragen und zwar auch, wenn er in Hundefreilaufflächen von der Leine gelassen wird.

Bello im Bus

Die Berliner Verkehrsbetriebe schreiben in ihren Verkehrsmitteln einen generellen Maulkorbzwang für alle Hunde vor. Bevor Sie also Bus, U- oder Straßenbahn betreten, sollten Sie dem Tier einen Maulkorb anlegen.  Ausnahmen gelten nur für Hunde die nicht größer sind als eine Hauskatze. Diese müssen dann allerdings in einer Transportbox mitgenommen werden. Für so kleine Hunde muss kein Extra Fahrschein gelöst werden, für alle anderen Hunde ist dies aber Pflicht. Der Hundefahrschein in Berlin kostet 1,60€ (Ab 1/2015 1,70€). Nähere Infos erhalten Sie hier.

Chip, Haftpflicht und Hundesteuer

Die Hundesteuer ist für Berliner Hundebesitzer ebenso Pflicht wie der Abschluss eine Haftpflichtversicherung für Hunde. Wer seinen Hund beim Ordnungsamt anmeldet erhält eine Steuermarke. Diese muss am Halsband des Hundes fest gemacht werden. Während die Leine nämlich nicht überall Pflicht ist, verhält sich dies mit dem Halsband anders. Jeder Hund muss ein Halsband mit Steuermarke, sowie einem Hinweis auf Namen und Wohnort des Besitzers tragen. Und das ist noch nicht alles. Seit 2010 ist es in Berlin Vorschrift, seinem Hund beim Tierarzt einen RFID Chip ins Ohr transplantieren zu lassen. Dies ermöglicht den Behörden entlaufene Hunde leichter zu identifizieren und ihrem Besitzer zurück zu führen.

Gesetze werden sich ändern

Bereits im Dezember 2013 wurde ein neues Hundegesetz für Berlin vorgestellt, welches jedoch Stand 11/2014 noch nicht in Kraft getreten ist. Mit diesem Gesetz ist es dann auch vorbei mit der Leinenfreiheit auf öffentlichen Plätzen und auf Straßen. Nach Justizminister Thomas Heilmann gilt dann überall in Berlin der Leinenzwang. Befreien lassen kann sich nur, wer den z.B in Niedersachsen schon eingeführten, Hundeführerschein erworben hat. Näheres dazu wo man die Prüfung ablegen kann und wie viel dieser Hundeführerschein kosten soll, ist noch nicht bekannt. In diesem neuen Gesetz soll dann auch die Anzahl der als gefährlich eingestuften Rassen von 10 auf 4 reduziert werden.
Für nähere Infos sollten Sie einen Blick in das Hundegesetz von Berlin oder den Info Flyer der Ordnungsämter werfen.

Herzlich,

Ihre Lindermanns Tierwelt Redaktion

 

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