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Herbstzeit ist Igelzeit und selbst in der Stadt können einem die stacheligen Gesellen über den Weg laufen. Aber braucht eigentlich jeder Igelfindling Hilfe? Und wie hilft man am besten?

Die Antwort ist im Grunde einfach: Indem man das Kerlchen einpackt und sofort den nächsten Tierarzt oder eine Igelstation aufsucht. Nur dort kann festgestellt werden, ob der Igel Hilfe braucht oder nicht. Häufig hört man, dass Igel ab soundso viel Gramm Körpergewicht nie Hilfe bräuchten. Das stimmt aber nicht. Denn auch große, scheinbar kräftige Tiere können krank oder verletzt sein. Spät geborene Jungtiere haben für den Winterschlaf häufig noch keine ausreichenden Fettreserven anlegen können.

Gesunde Igel sofort wieder freilassen

Wenn Tierarzt oder Igelstation feststellen, dass das Fundtier gesund ist, muss es sofort und unbedingt genau dort wieder ausgesetzt werden, wo es gefunden wurde. Dort ist das Revier des Igels, hier kennt er sich aus. Anderswo muss er sich nicht nur eventuelle Auseinandersetzungen mit dem fremden Revierinhaber liefern. Er weiß auch nicht, wo er sich verstecken kann und wo er Futter findet. Wer den Igel an einer Straße aufgelesen hat, bringt ihn am besten in den nächstgelegenen Park oder die nächste Grün- bzw. Gartenanlage.

Helfen heißt richtig helfen

Erste und wichtigste Maßnahme, wenn ein Igel gefunden wurde: Köpertemperatur prüfen. Ein Igel ist unterkühlt, wenn er apathisch wirkt, sich nicht richtig zusammenrollt und wenn sein Bauch sich kälter anfühlt als die eigene Hand. Dann muss der Igel zunächst vorsichtig aufgewärmt werden, am besten mit einer Wärmflasche. Das Wasser darin darf nicht heiß sein, sondern lediglich handwarm. Die Wärmflasche in ein kleines Kistchen legen, mit einem Tuch abdecken, den Igel darauf setzen und über den Igel ein Handtuch breiten. Bei Bedarf immer wieder neues, warmes Wasser auffüllen. Alle anderen Hilfsmaßnahmen dürfen erst erfolgen, wenn der Igel Normaltemperatur hat.

Entparasitieren

Igel niemals mit einem Puder behandeln, wenn man Flöhe und Zecken entfernen will. Die Tiere putzen sich das Puder ab, lecken es dabei auf und vergiften sich selbst. Sie sterben dann unweigerlich. Auch Sprays sind nicht die erste Wahl bei der Parasitenbekämpfung. Am besten sind sogenannte Spot-on-Präparate, die der Tierarzt auf Lager hat. Viele Spot-on-Präparate helfen zudem auch gegen Innenparasiten wie zum Beispiel Würmer. In sehr warmen Spätsommern bzw. Herbstmonaten können Igel auch von Fliegeneiern oder gar Maden befallen sein. Diese pflückt man am besten mit einer Pinzette sorgfältig ab. Baden sollte man Igel nicht. Das stresst die Tiere zu sehr und verhilft den meisten zu einer ausgewachsenen Lungenentzündung.

Ein Igel-Gehege einrichten

Igel sind Einzelgänger, deshalb braucht jeder Pflegling ein eigenes Gehege. So können sich kranke Tiere auch nicht gegenseitig anstecken. Das Gehege sollte ca. 2 Quadratmeter groß, mindestens 50 cm hoch und aus Holz- oder Spanplatten sein. Achtung: Igel sind gute Kletterer und können sich durch schlichte Pappkartons auch einfach durchbeißen. Das Gehege wird dann mit Zeitungspapier ausgelegt (dieses täglich wechseln!) und mit einem Schlafhäuschen bestückt. Ins Schlafhäuschen kommt zerknülltes Zeitungspapier. Aufgestellt wird das Gehege an einem ruhigen Ort mit etwa 20 Grad Umgebungstemperatur.

Gaumenfreuden

Igel sind Insektenfresser und müssen sehr abwechslungsreich gefüttert werden. Geeignet sind Feucht- und Trockenfutter für kleine Hunde, gekochtes Ei und gut gegartes Fleisch, „Hühnerklein“ (mit Knöchelchen) etwa oder ungewürztes Hack. Katzenfutter ist aufgrund seines hohen Eiweißgehalts nicht empfehlenswert. Ergänzend wird Igelfutter aus dem Zoohandel gefüttert. Als Leckerli darf es auch mal Heimchen, Grillen oder Mehlwürmer geben. Zum Trinken erhält der Igel Wasser in einem kippsicheren Keramik-Napf. Niemals dürfen Igel Milch oder Milchprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse oder Babybrei bekommen. Zu schwache oder kranke Tiere können mit einer Einwegspritze gefüttert werden.

Winterschlaf

Sobald ein Jung-Igel um die 700 Gramm, ein erwachsenes Tier etwa 1.200 Gramm wiegt, sollte es Winterschlaf halten dürfen. Dazu das Gehege an einen kalten Ort bringen, wo die Umgebungstemperatur dauerhaft unter 6 Grad liegt. Der Gehegeboden wird nun mindestens 10 cm dick mit Zeitungspapier ausgelegt, das Schlafhäuschen mit viel geknülltem Papier überhäuft. Darüber wird ein zweites, größeres Häuschen aus Holz gestülpt. So erhält der Igel einen gut isolierten Überwinterungsplatz. Füttern und Saubermachen erfolgt wie gehabt. Nach einigen Tagen, manchmal aber auch erst nach Wochen, fällt der Igel in den Winterschlaf. Wichtig ist, ihn nun nicht zu stören.

Auswildern

Erwacht der Igel im März oder April, hat er viel Gewicht verloren und muss zunächst erst wieder aufgepäppelt werden, ehe er in die Freiheit entlassen werden darf. Wer einen eigenen Garten hat, kann dort unter Büschen das Schlafhäuschen des Igels verstecken und eine Futterstelle anlegen. Alle anderen lassen den Igel dort laufen, wo sie ihn gefunden haben.

Tipps und Tricks zur Igelhilfe:

  • Fundtiere sofort dem Tierarzt oder einer Igelhilfe vorstellen (Adressen kennen die örtlichen Tierschutzvereine)
  • Täglich das Gewicht kontrollieren und ggf. Winterschlaf ermöglichen
  • Keine Haustiere an den Igel lassen, sonst verliert er seine Scheu, was ihn, wieder in Freiheit, das Leben kosten kann

 
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