Zwei kämpfende Hirschkäfer-Männchen / Foto: polyband

Es gibt Augen, die sehen mehr als das Offensichtliche. Schön, wenn solche Augen Filmemachern gehören. Denn dann kann man sich auf so einzigartige Dokumentationen wie „Das Grüne Wunder – unser Wald“ freuen.

Naturfilmer Jan Haft bei den Dreharbeiten / Foto: polyband

„Was ist Wald?“ ist eine Frage, mit der Studienanfänger im Fach Forstwirtschaft von so manchem Professor gern ins Bockshorn gejagt werden. Denn wer noch nicht um die fachlich korrekten Definitionen weiß, kommt ins Grübeln. Ein kreativer Kopf hat mal geantwortet „Wald ist die Stätte des Glücks“, woraufhin er schallendes Gelächter erntete. Dabei lag er eigentlich gar nicht so falsch. Wenn bloß nicht so viele Wälder so düster, leer und gruselig erscheinen würden. Wieder einmal ist es der Mensch, der es hier geschafft hat, „Wald“ mehr oder weniger auf eine „Ansammlung von Nutzhölzern“ zu reduzieren. Wer wissen will, wie Wald tatsächlich aussehen könnte und, ginge es nach der Natur, auch aussehen würde, reserviere sich schleunigst eine Kinokarte. Und lasse sich ab dem 13. September davon überzeugen, dass Wald am Ende eben doch die Stätte des Glücks ist.

Plädoyer für große Tiere

An Glücksmomenten ist „Das Grüne Wunder “ reich. Denn der renommierte Naturfilmer Jan Haft erzählt seine Geschichte in durchweg hochpoetischen Bildern, berauschenden Farben und tief berührenden Stimmungen. Fast lassen sie vergessen, dass es um Refugien vor unserer Haustür geht. Dennoch geht es nicht nur um Wald als Lebensraum, sondern vor allem auch um seine Bewohner, insbesondere die großen Pflanzenfresser. Einst streiften Wisente, Auerochsen, Elche und Wildpferde durch die heimischen Landschaften – gefolgt von Raubtieren wie Säbelzahntiger, Leopard oder Höhlenlöwe. Geblieben ist nur der Rothirsch, und selbst der bewegt sich nur noch innerhalb streng definierter Gebiete. Und ob sich Gevatter Wolf wieder etablieren kann, steht noch in den Sternen. Wo große Tiere ihre Spuren hinterlassen, ist die Artenvielfalt groß, sind die Lebewesen vital und die Seele ausgeglichen. Vielleicht tut „Das Grüne Wunder“ beim Anschauen deshalb auch so gut.

Undercover mit der Kamera

Die Dreharbeiten zum Film ähnelten einem Agenteneinsatz, denn viele Tiere leben äußerst zurückgezogen oder sind sehr selten. Brütende Schwarzstörche zum Beispiel, Sperber beim Festmahl oder Hornissen am Nest. Es dauerte mehrere Jahre bis alle Einstellungen „im Kasten“ waren – Tarnzelten, versteckten Kameras, Zeitlupen und Zeitraffer sei Dank. „Der Film wirkt wie eine Lupe, indem er Prozesse zeigt, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben“, sagt Schauspieler Benno Fürmann, dessen Stimme die Zuschauer auf der filmischen Entdeckungsreise begleitet. „Für unseren nächsten Besuch im Wald schenkt er uns ein schärferes Bewusstsein und macht uns sensibler für die Magie des Ortes.“ Durch den Film sei er wieder wie ein Kind von der Vielfalt der Eindrücke überwältigt worden: „Libellen, Flugakrobaten, die in der Luft stehen können, starke Ameisen, die ein Vielfaches ihres Körpergewichts heben können und eine sehr interessante Dynamik in ihrer Monarchie haben. Das, was mir an meiner Arbeit am wichtigsten ist – der Spaß am Metier, große Freude am Lernen und dass ich das Gelernte weiter geben kann – war hier hundertprozentig der Fall.“

Botschafter mit großen Linsen

Jan Haft, der studierte Geologe und Biologe, der „Das Grüne Wunder“ als Produzent, Regisseur, Autor und Kameramann verantwortete, möchte mit diesem wahren Geniestreich nicht nur unterhalten. „Natur ist nicht gefährlich“, sagt der 45-Jährige. „Die Artenvielfalt unserer Wälder könnte noch größer sein, wenn wieder mehr große Tiere darin leben könnten. Nicht nur die Serengeti oder die amerikanische Prärie, auch unser Wald könnte großen Tieren kostbaren Lebensraum bieten, wenn wir größere Flächen zu Naturschutzgebieten erklären und ihrem eigenen Rhythmus überlassen würden.“

In diesem Sinne: Genießen Sie Kostbarkeit und lassen Sie sich berühren!

Kinostart: 13. September 2012

Und hier können Sie sich den Trailer anschauen:

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