Sie kommen meist auf leisen Sohlen: Wildtiere in der Stadt. Mancherorts sind sie auch zu einer wahren Herausforderung für die menschliche Toleranz geworden.

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Sie kommen meist heimlich auf leisen Sohlen und mittlerweile mit Macht: Wildtiere in der Stadt. Mancherorts sind sie sogar schon zu einer wahren Herausforderung für die menschliche Toleranz geworden.

Denn nicht jeder fühlt sich wohl und sicher in unmittelbarer Nachbarschaft zu Fuchs, Waschbär oder Wildschwein. Dem einen haben Horden des maskierten Ur-Amerikaners den Dachboden zerlegt, dem Nächsten die Schwarzkittel den Garten verwüstet. Den Dritten besucht Gevatter Reinecke und frisst Miez und Maunz das Futter weg. Ganz zu schweigen von den Schandtaten, die marodierende Marder-Banden unter den Motorhauben gepflegter Familienkutschen anzurichten wissen.

Die Stadt lebt

Kein Ort schien einst so fern von der Natur wie die Stadt. Doch das war einmal. Stück für Stück macht die Natur dort, wo es scheinbar unmöglich ist, Boden gut. Und die Menschen helfen ihr dabei. Mit Grünanlagen, besten Unterkünften und jeder Menge zu fressen. Ob sie in Hausgärten oder aus Mülltonnen speisen, ist den Fellnasen mit Migrationshintergrund schließlich wurst. Manche haben sogar ihre Scheu ein Stück weit abgelegt und lassen sich beobachten. Das ist auch der Grund dafür, dass sich viele Menschen über die neuen Zuzügler freuen. Ein Grund für die Landflucht der Tiere ist aber auch die moderne Landwirtschaft. Monokulturen, Düngemittel und Pestizide machen Lebensräume nicht eben attraktiv. Und der Wald ist auch nicht mehr das, was er einmal war.

Finden leicht gemacht

Am einfachsten bekommt man in der Stadt Vögel und Insekten zu Gesicht. Blühende und plätschernde Kleinst-Oasen an Fenstern, auf Balkonen und Terrassen, in Parks, Friedhöfen und Gärten sorgen mit „Insekten-Farmen“ gleich für steten Nachschub an Gaumenfreuden für Piepmätze. Es könnten noch mehr sein, wenn beim Sanieren alter Häuser auf den Erhalt von Nistplätzen geachtet würde. Mancher interveniert mit allen Arten von Nistkästen. Für Mauersegler reicht es dabei übrigens schon, eine Reihe von Schlupflöchern in Dachkästen zu bohren. In einigen Städten gibt es dazu eigene Initiativen. Wo sich kleine Vögel tummeln, sind irgendwann auch die größeren nicht mehr weit. Falken und Habichte zum Beispiel sind in zahlreichen Städten ein vertrauter Anblick. Zumindest tagsüber. Mit Einbruch der Nacht übernehmen auch hier gern Eulen und Fledermäuse ihre Schicht.

Heimliche Säuger

Zugegeben, einige kommen ganz und gar nicht heimlich: Da tummeln sich Kaninchen auf grünen Verkehrsinseln inmitten tosender Blechlawinen, mancher Fuchs benutzt am helllichten Tag einen Fußgänger-Überweg und Wildschweinhorden haben schon Polizisten gescheucht und Schulkinder auf dem Heimweg erschreckt. Die meisten Säugetiere wagen sich aber auch in der Stadt erst nach Einbruch der Dunkelheit aus ihren Verstecken. Zählt man Kleinsäuger wie Igel, Maulwürfe, Ratten, Mäuse, Eichhörnchen und andere dazu, sind es mehr als man gemeinhin annehmen mag. Konflikte sind vielerorts vorprogrammiert. Denn Tiere nutzen, was sie vorfinden, und das ist auf ihr Dasein selten vorbereitet. Außerdem sind Tiere äußerst pragmatisch: Was gefällt und nicht passt, wird eben passend gemacht, ob Laube, Dachboden, der Englische Rasen oder Gemüsegarten. Vor allem in den Randgebieten der Städte finden Säuger ideale Lebensbedingungen. Mancher wird hier sogar zum „Pendler“ – außerhalb wohnen, drinnen futtern gehen.

Gekommen, um zu bleiben

Wildtiere erobern die Städte in dem Maß, in dem sie annehmbare Lebensbedingungen vorfinden. Den Menschen stellt das vor wichtige Fragen: Wie viel Wildnis kann er genießen? Wie viel tolerieren? Wie viel aushalten? Wo sie sich einmal etabliert haben, sind Wildtiere schwer bis gar nicht wieder „auszumerzen“. Denn die Jagd ist in Stadtgebieten verboten. Dabei gibt es Strategien zur Koexistenz, ohne das eine Seite, die menschliche oder die tierliche, Schaden nimmt. Hilfe gibt es zum Beispiel bei den Naturschutzverbänden. Sie sind zuweilen auch bei von Tieren verursachten Schäden geeignetere Ansprechpartner als Jäger oder Behörden. Ein oder mehrere Tiere nur zu erlegen, ist auch keine Lösung. Denn das freie Revier wird unversehens von engagierten „Erben“ besetzt. Besser ist deshalb, mit den Tieren zu leben, statt gegen sie.

Tipps und Tricks zu Wildtieren in der Stadt:

  • Natur ist nicht nur das, was Menschen gefällt
  • Um Probleme zu vermeiden, Wildtiere nicht anfüttern, streicheln oder bedrängen
  • Hilfe bieten Naturschutzverbände an

Link-Tipp:
Eine sehr empfehlenswerte Broschüre mit dem Titel „Naturschutz am Haus“ hat der NABU auf seiner Homepage bereitgestellt.

Buchtipps:

Außerdem gibt es zahlreiche lesenswerte Bücher über die verschiedensten Wildtierarten in der Stadt:

  • „Stadtfüchse: Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum“  von Sandra Gloor, Fabio Bontadina und Daniel Hegglin
  • „Die Waschbären kommen“ von Ingo Bartussek
  • „Von Mardern und Menschen. Das Buch der Steinmarder“ von Beate Ludwig
  • „Stadtfauna: 600 Tierarten unserer Städte“ von Stefan Ineichen, Max Ruckstuhl, Bernhad Klausnitzer
  • „Wilde Tiere in der Stadt“ (Bildband) von Florian Möllers
  • „Stadtnatur: Eine neue Heimat für Tiere und Pflanzen“ von Josef Reichholf

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