Wenn die Temperaturen milder werden, freuen sich zahlreiche Wildtiere auf Nachwuchs. Doch was tun, wenn man scheinbar verwaisten Wildtierkindern begegnet?

Hasenkinder warten auf die Mutter / Foto: oraman - Fotolia.com

Sobald die Temperaturen wieder milder werden, freuen sich zahlreiche Wildtiere auf Nachwuchs. Doch was tun, wenn man draußen scheinbar verwaisten Wildtierkindern begegnet?

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten „Waisen“ sehen nur so aus, als hätten sie ihre Liebsten verloren. Denn Tierkinder sind in Sachen „flügge werden“ genauso drauf wie ihre menschlichen Pendants. Bloß raus aus Mamas und Papas Sicherheits-Radar und rein ins Abenteuer. Die Welt zu entdecken, ist nun mal ein Motor, der alle Jungspunde umtreibt. Für alle Kids auf diesem Planeten gilt aber natürlich: So unbedarft durch die Gegend zu marodieren, kann gefährlich sein. Die schlechte Nachricht: Lebensbedrohlich wird es oft erst, wenn Tierkinder von mitfühlenden Menschen „gerettet“ werden.

Früh übt sich

Manchmal ist es schon erstaunlich, wie früh Tierkinder zuweilen unterwegs sind. Eulen zum Beispiel verlassen ihre Nisthöhle lange, bevor sie auch nur ansatzweise flugfähig sind. Auch viele Singvögel fliegen beim Auszug aus dem Nest mehr schlecht als recht. Kitze liegen oft nur wenige Meter vom Weg entfernt im Unterholz, Hasenkinder drücken sich in nackten Mulden herum und Frischlinge sind ohnehin gern auf Abwegen. Hilfe brauchen die wenigsten.

Erst beobachten, dann handeln

Hocken Jungvögel auf Straßen oder Parkplätzen herum, setzt man sie am besten einfach auf den nächsten Baum. Wer befürchtet, das Tierchen könnte doch, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, verwaist sein, tastet am besten vorsichtig die kleine Vogelbrust ab. Ist die prall und muskulös und tritt kein Brustbein hervor, wird das Kerlchen gefüttert und bedarf keiner Rettung.

Bei Säugetieren ist das mit dem Anfassen so eine Sache. Zuweilen reicht tatsächlich ein Hauch Fremdgeruch und Mama lässt das Kind im Stich. Die Regel ist das dennoch nicht. Selbst wenn Bello auf dem Spaziergang so ein Tierchen schon abgeleckt hat, bedeutet das nicht, dass man es nun mit nach Hause nehmen muss. Wer auf Nummer sicher gehen will, rupft großzügig einige Büschel Gras, reibt das geschleckte Tierkind vorsichtig damit ab, macht sich erst mal aus dem Staub und wirft dann in den folgenden Tagen mal dezent einen Blick auf den weiteren Werdegang.

Wann Hilfe wirklich notwendig ist

Fälle, in denen Tierkinder tatsächlich Hilfe brauchen, sind bei genauerer Betrachtung relativ leicht zu erkennen. Konkrete Verletzungen sind beispielsweise ein Alarmsignal. Manchmal sitzen Tierbabys auch direkt neben ihrer überfahrenen Mutter am Straßenrand oder laufen stundenlang rufend durch die Gegend.

Bei Igeln kommt es manchmal vor, dass sich einzelne Babys so fest und gierig an Mutters Zitzen festsaugen, dass sie das Ende der Mahlzeit verpassen und von Mama aus dem Nest geschleift werden. Ein womöglich noch nacktes Igelkind auf dem Parkweg hat ohne Hilfe tatsächlich keine Überlebenschance. Sind sie schon längere Zeit allein, machen verwaiste Tierkinder einen abgemagerten, schwächlichen Eindruck, hocken vielleicht apathisch herum, wehren sich nicht oder zeigen kein Fluchtverhalten.

Wichtig ist hier allerdings die Unterscheidung zu Tieren, die sich von Natur aus einfach nur „totstellen“, wie beispielsweise Mäuse. Wirken die Tierbabys aber gut genährt, haben ein glänzendes, von Mama gepflegtes Fell und sehen gesund aus, lautet auch hier die Devise: Finger weg.

Rechtliches zu wohlgemeinten „Rettungsaktionen” von Wildtier-Babys

Aus Sicht des Naturschutzgesetzes ist es zunächst kein Verstoß, hilfsbedürftige Wildtiere der Natur zu entnehmen. Man muss jedoch von vornherein beabsichtigen, das Tier später wieder in die Natur zu entlassen. Die Auswilderung ist allerdings ein noch größeres Kunststück als die Aufzucht selbst. Beides gehört in die Hände von Profis.

Deshalb: Am besten via Handy erst mal einen Tierarzt kontaktieren, der zumeist auch Adressen spezieller Wildtier-Auffangstationen kennt. Wer keine entsprechende Ausbildung hat, sollte die Aufzucht grundsätzlich professionellen Wildtier-Stationen überlassen, so niedlich und so beglückend es auch sein mag, ein Tier zu retten. Nicht zuletzt bricht auch im „zahmsten“ Schützling spätestens mit der Pubertät wieder das Wildtier durch. Wenn Bambi bockt, ist das dann wahrlich keine Freude mehr.

Und: Jäger haben manchmal etwas gegen private Tierrettungsaktionen und verlangen nicht selten die Herausgabe von verwaisten Fuchswelpen, Frischlingen oder Kitzen. Wer sich weigert, hat schnell eine Anzeige wegen Wilderei am Hals. Eine Verurteilung ist zwar keineswegs sicher, unter Umständen steht einem aber trotzdem jede Menge Ärger ins Haus. Auch das gilt es in Sachen Tierfindlinge im Auge zu behalten.

Tipps und Tricks in Sachen Tierfindlinge:

  • Sorgfältig prüfen und beobachten, ob und welche Hilfe erforderlich ist
  • Hilfsbedürftige Tierkinder einem Tierarzt oder einer Wildtier-Station melden
  • Nur im klar erkennbaren Notfall eingreifen – bei Verletzungen, eindeutiger Entkräftigung oder dem Tod der Mutter. Unbehaarte „Nesthocker” müssen dann warmgehalten zum Tierarzt transportiert werden.
  • Sich vor eigenmächtigen Rettungsaktionen hüten – den Schützling stets einer Wildtier-Auffangstation anvertrauen

 

Leave a reply

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar abzugeben.