Katzen sind großartige Jäger. Erst lauern sie regungs- und lautlos in der Nähe ihrer Beute, um dann im richtigen Moment gnadenlos zuzuschlagen.

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Jagdgesetze sind in Deutschland Ländersache. Oft hangeln sich die Politiker, die diese Gesetze beschließen entlang der Interessen der Jäger und den Vorschlägen von Tier- und Umweltverbänden. In Nordrhein-Westfalen hat die rot-grüne Landesregierung am 18.11.2014 ein neues Jagdgesetz beschlossen, dass traditionelle Jagdrechte dem Tierschutz hinten anstellt und im nächsten Jahr in Kraft treten soll.

Tierschutz gestärkt

Generell ärgern sich viele Tierschützer, dass es Jägern immer noch gestattet ist Katzen, die sich über 200 Meter von der nächsten Wohnsiedlung entfernt durch freies Gelände bewegen, sowie frei laufende Hunde abzuschießen. In NRW sind laut Angaben des Umweltministerium in der Jagdsaison 2013/2014 7.595 Katzen und 51 Hunde durch Jäger erschossen worden. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf den Regierungsbezirk Münster, wo 4347 Katzen durch Jäger getötet wurden. Ob dieser Bezirk jetzt entweder exponentiell viele wildernde Katzen hat, oder exponentiell schießwütige Jäger, darüber kann man nur spekulieren. Fakt ist jedoch, dass wildernde Katzen durchaus der Umwelt schaden und zur Bedrohung für Amphibien und Vögel werden können. Katzen gehören jedoch eben so zur Natur wie andere Tiere. Das Töten tut oft nicht Not. Katze sind sehr schreckhaft und schon durch laute Geräusche lassen sie von Ihrem Vorhaben ab. Warum also direkt geschossen wird, ist für viele Tierschützer und Katzenbesitzer unverständlich.  In vielen Gegenden verzichten Jäger freiwillig darauf auf Katzen zu schiessen, in anderen sehen Tierschutzverbände große Probleme und fordern die Politik dazu auf, die Jagdrechte neu zu ordnen.

Freilaufende Hunde

Auch mit frei laufenden Hunden ist das so eine Sache. In einem Naturschutzgebiet, sollten Sie ihren Vierbeiner an der Leine lassen. Er könnte die Brutstätten geschützter Arten zerstören und unnötigen Schaden in der schützenswerten Fauna anrichten. Frei laufende Hunde zu erschießen ist jedoch vollkommen unnötig. Das Tier folgt nur seinem natürlichen Trieb, hier ist der Besitzer für die angerichteten Schäden zur Verantwortung zu ziehen, nicht das Tier. Ein getöteter Hund nutzt keinem etwas, ein Bußgeld an den Besitzer ist da schon die sinnvollere Lösung. Auch die Tatsache, dass entlaufene Hunde in Jagdgebieten oft erschossen werden, bevor die Jäger probieren diese einzufangen und dem Ordnungsamt zu übergeben, stößt bei Tierschützern auf Unverständnis. In Deutschland gibt es keine Wildhund Rudel. Die herum streunenden Tiere haben sich meist verlaufen oder wurden ausgesetzt und können problemlos im Tierheim, bei der Polizei oder dem Ordnungsamt abgegeben werden.

Neues Gesetz für NRW

In Nordrhein-Westfalen wird der Abschuss von Katzen und Hunden in Zukunft verboten sein.  Auch der Einsatz von sogenannten Totschlagfallen ist hier in Zukunft nicht mehr zulässig. Josef Tumbrinck vom  Naturschutzbund (NaBu) begrüßte zwar den Grotßteil der Neuregelungen, forderte aber weitere Schritte. “Natürlich sind wir beileibe nicht mit allen getroffenen Regelungen einverstanden und werden das auch in Anhörungen und Fachgesprächen vortragen”, so Tumbrinck auf der Webseite des NaBu.    So sehr die Tierschützer sich auch mit den aus ihrer Sicht sinnvollen Änderungen anfreunden können, so viele Punkte haben sie noch auf der Liste, die sie in Zukunft gerne anders sehen würden. So forderte Holger Sticht vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) auch ein Verbot für Lebendfallen, in denen viele Tiere, auch Hunde und Katzen, den Stresstod sterben.

Jäger aufgebracht

Fast schäumend vor Wut reagierten die Jäger. Auf fünf, durch ganz Nordrhein-Westfalen führenden, Veranstaltungen und der Webseite des Landesjagdverbands NRW ist vor allem der grüne Umweltminister Johannes Remmel im Mittelpunkt der Kritik. Von der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) verlangten die Jäger den Umweltminister zu stoppen. Jägerpräsident Müller- Schallenberg stellte sogar die Integrität der Landeschefin in Frage, als er zu Protokoll gab „Ministerpräsidentin Kraft muss sich fragen lassen, wer hier eigentlich regiert“. Im gleichen Artikel des Landesjagdverbandes NRW sagte der Vorsitzende vom Aktionsbündnis Forum Natur „Die nordrhein-westfälische Regierung verachtet das Land. Die Grenzen sind erreicht, couragierte Gegenwehr ist notwendig“. Harte Worte also die da in den letzten Tagen auf die rot-grüne Regierung einprasselten. Und dies geht schon seit Wochen so. Bereits in einer  Stellungnahme  an die Landesregierung Nordrhein-Westfalens von Oktober diesen Jahres, sprach der Landesjagdverband von einem respektlosen Gesetzesvorschlag und bezeichnete die Pläne der Regierung als „massiven und verfassungswidrigen Eingriff in die Freiheits- und Eigentumsrechte, als antidemokratisch, unsolidarisch, tier- und artenschutzwidrig und letztlich nicht praktikabel“.

Katzenbesitzer erleichtert

Für Viele Katzenbesitzer in Nordrhein-Westfalen, die ihre Katze als Freigänger Katze halten, dürfte der Beschluss begrüßenswert sein. Katzen müssen jetzt also auch in der Jagdsaison, aus Angst vor schießwütigen Jägern, nicht mehr in der Wohnung eingeschlossen werden, zumindest nicht in NRW.

 

Herzlich

Ihre Lindermanns Tierwelt Redaktion

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