Winter können hart sein. Vor allem wegen Kälte und Nahrungsmangel. Um solche Zeiten zu überstehen, haben sich viele Tiere ganz spezielle Strategien einfallen lassen.

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Winter können hart sein. Vor allem wegen Kälte und Nahrungsmangel. Um solche Zeiten zu überstehen, haben sich viele Tiere ganz spezielle Strategien einfallen lassen.

Die wohl bekannteste ist der „Winterschlaf“. Was ihn genau auslöst und wie winterschlafende Tiere ihn überleben, ist der Wissenschaft bis heute ein Rätsel. Sehr wahrscheinlich geben die Tageslichtlänge und eine „innere Uhr“ den entscheidenden Impuls dafür, dass sich ein Winterschläfer zur Ruhe begibt. Das Anlegen von Winterpelz und Fettreserven steuern Hormone, vermutet man. Doch was dann im Winterschlaf tatsächlich passiert, grenzt an ein echtes Wunder.

Mehr tot als lebendig

Echten Winterschlaf halten nur Tiere, die wirklich klein oder sehr leicht sind: Igel, Fledermäuse, Murmeltiere, Siebenschläfer und Feldhamster zum Beispiel. Begeben sie sich in Winterschlaf, fahren sie fast komplett ihren gesamten Stoffwechsel herunter, Herzschlag und Körpertemperatur sinken drastisch. So weiß man, dass Murmeltierherzen im Winterschlaf statt 100 Mal nur noch ein bis zwei Mal pro Minute schlagen, Igelherzen statt 200 Mal nur noch fünf Mal. Die Körpertemperatur bei Murmeltieren sinkt dabei von 39 auf um die acht Grad, bei Igeln von 36 auf bis zu ein Grad. Geatmet wird nur noch alle paar Minuten. Besonders eindrucksvoll lesen sich die Daten von Fledermäusen: Schlägt ihr Herz normalerweise 240 bis 450 Mal in der Minute, klopft es im Winterschlaf nur noch 18 bis 80 Mal. Und zwischen zwei Atemzügen können locker anderthalb Stunden vergehen. Dennoch schlafen Winterschläfer nicht den ganzen Winter so tief. Alle paar Tage oder auch Wochen wachen sie auf, gehen auf die Toilette und ändern ihre Schlafposition. Manche, wie der Feldhamster, futtern auch ein bisschen was. Dazu legen sich die Tiere entsprechende Vorräte an.

Ruhe ist kein Schlaf

Tiere, die größer oder schwerer sind, betten sich im Winter lediglich zu einer „Winterruhe“, darunter Braunbären, Dachse und Waschbären. Eine Ausnahme bilden Eichhörnchen. Obwohl sie klein sind, halten auch sie nur eine Winterruhe. Möglicherweise, weil sie Nahrung bevorzugen, die sich gut horten lässt und sehr fettreich ist. Im Gegensatz zu Winterschläfern wird bei Winterruhern der Stoffwechsel nicht „eingefroren“. Sie sparen Energie, indem sie sich einfach nicht mehr so viel bewegen, eben „ruhen“. Der Grund dafür liegt in dem immensen energetischen Aufwand, den es kostet, aus dem Winterschlaf wieder aufzuwachen. Ein kleiner, leichter Körper wie der eines Siebenschläfers braucht dafür viel weniger Energie als ein großer wie etwa der eines Bären. Müsste ein Braunbär aus einem echten Winterschlaf erwachen, würde ihn das wahrscheinlich das Leben kosten. Tiere, die eine Winterruhe halten, können auch im Winter jederzeit draußen herumwandern und auf Nahrungssuche gehen, wenn ihnen danach ist.

Von Klimaflüchtlingen und ganz Erstarrten

Wem kein warmes „Winterkleid“ wächst und wer die kalten Monate auch nicht verschlafen kann, der macht sich im Herbst auf zum großen Zug – dem berühmten Vogelzug. Mitteleuropa ist dabei zugleich eine Gegend, die sowohl verlassen, als auch aufgesucht wird. Kraniche, Graugänse, Schwalben, Störche und zahlreiche Singvögel, die sommers bei uns nisten, machen sich gen Herbst auf in wärmere Gefilde. Für andere Vögel aus dem hohen Norden ist Mitteleuropa „der Süden“. Dazu gehören zum Beispiel Raufußbussarde, Bergfinken und Seidenschwänze oder die riesigen Schwärme der Saatkrähen. Auch Rotkehlchen, die den Sommer in Nordosteuropa genießen, sind winters Gäste bei uns, während „unsere“ Rotkehlchen in die Mittelmeerländer ziehen. Letztlich gibt es aber auch Tiere, die der kalten Jahreszeit nicht wirklich etwas entgegenzusetzen haben: Insekten, Fische, Reptilien und Amphibien. Ihnen bleibt nur, sich gut zu verstecken und die Kälte abzuwarten. Weil sie ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln können, erstarren sie, sobald die Temperaturen sinken. Deshalb werden sie auch „wechselwarm“ genannt. Erst die warme Frühlingssonne erweckt sie wieder sprichwörtlich zum Leben.

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