Worauf kann man beim Welpenkauf vertrauen? Auf die „Chemie“ zwischen sich und dem Züchter? Auf Werbung oder den persönlichen Eindruck?

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Welpenkauf ist Vertrauenssache. Doch worauf kann man Vertrauen aufbauen? Auf die „Chemie“ zwischen sich und dem Züchter? Auf Werbung oder den persönlichen Eindruck?

Eines ist vorab wichtig, sich klar zu machen: Wo immer man seinen Welpen kauft, den „perfekten“ Hund gibt es nicht. Hunde sind keine Autos und auch keine Lebkuchen, die man sich bauen oder backen könnte. Jeder ist ein Individuum mit Stärken und Schwächen – von Anfang an. Perfekt ist deshalb, was zusammenpasst. Wer also weiß, was er braucht und was nicht, um mit einem Hund glücklich zu werden, hat schon mal ganz gute Karten.

Von Züchtern und „Vermehrern“

Auch wenn es hart klingt und ein bisschen traurig macht: Hunde sind genau solche „Kaufsachen“ wie andere auch. Deshalb gibt es teure und überteuerte Welpen, preiswerte und billige und Hundebabys zum Dumping-Preis. Gerade vor Letzteren kann man nur warnen. Dennoch fliegen viele darauf, ignorieren, dass die Welpen zu früh von der Mutter getrennt, meist krank und weder geimpft noch gechipt oder entwurmt sind. Polen hat deshalb jüngst ein gesetzliches Handelsverbot mit Welpen aus dubioser Quelle verhängt. Doch clevere Geschäftemacher verkaufen nun einfach eine Leine für 90 Euro und geben den Hund „kostenlos“ mit dazu. Wer sich darauf einlässt, argumentiert oft eigenartig: Er sehe nicht ein, Züchter reich zu machen, indem er mehrere hundert Euro für einen Welpen bezahle. Einen Züchter macht er so tatsächlich nicht reich. Dafür aber einen Tierquäler.

Der Preis ist relativ

Ein Züchter, der Hundezucht wirklich als Hobby betreibt, macht damit keinen Gewinn. Auch dann nicht, wenn der einzelne Hund fast 1.000 Euro kostet. Welpen aufzuziehen und für eine Karriere als Familienhunde vorzubereiten, ist ein 24-Stunden-Job. Putzen und Saubermachen läuft da nebenbei. Was aufwändig ist, sind Gesundheitsvorsorge und behutsame Sozialisierung. Daran erkennt man Züchter, die Vertrauen verdienen. Ein gutes Zeichen ist, wenn die Welpen integriert in der Züchterfamilie aufwachsen, weil auch die Zuchthunde Familienhunde sind. Wenn sie viele verschiedene Spielsachen haben, Tunnel und Höhlen, Büchsen-, Raschel- und Flattervorhänge, Planschbecken und Bällebad. Wenn sie Menschenkinder-Krachspielzeug und Gehhilfen kennenlernen dürfen, den einen oder anderen fremden Artgenossen, eine nette Katze oder mutige Kaninchen. Wenn sie zu kleinen Ausflügen außerhalb des heimischen Gartens mitgenommen werden und daheim viel Besuch von ganz unterschiedlichen Menschen bekommen. Wenn Tierarzt und Zuchtwart regelmäßig ein Auge auf die Kleinen werfen. Familienhunde werden nicht geboren, sondern gemacht. Die Basis schafft der Züchter. Den ehrlichsten Eindruck bekommt man, wenn man vorab einfach mal hinfährt und sich alles anschaut. Am besten auch gleich die Gesundheitszeugnisse der Elterntiere, von der HD-Auswertung (Hüftgelenksdysplasie) bis hin zu diversen Gen-Tests. Wer allerdings dem Argument begegnet „das brauchen die nicht, die sind gesund“, sollte besser auf dem Absatz kehrtmachen.

Worauf es nicht ankommt

Das Heim eines Züchters muss nicht steril sein, auch wenn Sauberkeit wichtig ist. Immerhin ist eine Wohnung kein Museum. Es ist auch nicht schlimm, wenn man sich in einen Welpen verliebt, der den einen oder anderen Fehler hat. Solche Hunde sind nicht für die Weiterzucht geeignet, als Familienhunde werden sie jedoch genauso toll sein wie ihre mängelfreien Geschwister. Wichtig ist, dass ein Züchter offen mit Mängeln umgeht und diese nicht verschweigt oder vertuscht. Oft beziehen sich Fehler auf Farben oder Zeichnungen, die bei einer Rasse nicht erwünscht sind. Auch Zahnfehlstellungen oder Kiefer-Anomalien wie beispielsweise ein Canini-Engstand, ein Rück- oder Vorbiss kommen häufiger vor – übrigens auch bei Mischlingen. Manchmal sind einzelne Welpen trotz aller Vorsorge-Maßnahmen ganz oder halbseitig taub, haben ein Humpelbein oder was auch immer. Hier muss man abwägen, ob der Hund trotzdem passt oder vielleicht eben nicht. Seriöse Züchter berücksichtigen in solchen Fällen mögliche Folgekosten durch tierärztliche Behandlungen und mindern entweder den Welpenpreis oder garantieren eine Kostenbeteiligung oder -übernahme. Mitleidskäufe sollte man sich dennoch verkneifen.

Tipps und Tricks beim Welpenkauf:

  • Keinen Hund vom „Vermehrer“ holen
  • Auf die Sozialisierung der Welpen achten
  • Gesundheitszeugnisse der Elterntiere zeigen lassen
  • Auch mit einem „mangelhaften“ Welpen kann man glücklich werden, wenn die Fehler keine einschränkenden Auswirkungen auf den eigenen, ganz persönlichen „Haltungszweck“ des Hundes haben
  • Ehrlichkeit und Offenheit des Züchters hinterfragen

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