Foto: Judith Böhnke

Ein Hund, ein Mensch und acht schöne, große Bälle – mehr braucht diese Hundesportart nicht. Treibball wird immer beliebter. Im Verein, aber auch als individuelles Hobby.

Entwickelt wurde Treibball von Hundetrainer Jan Nijboer, der auch durch seine Erziehungsmethode „Natural Dogmanship“ bekannt wurde. Inspiriert haben mag ihn dabei die Arbeit von Hütehunden an Schafen, denn genau daran erinnert der noch relativ junge Sport. Dennoch ist Treibball keineswegs nur für Hütehundrassen geeignet. Und auch nicht nur für große Hunde. Aufgabe des Vierbeiners ist, acht Gymnastik-Bälle in ein großes Tor zu „treiben“, schnell, konzentriert und in enger Abstimmung mit dem Menschen.

Voraussetzungen

Einfach so starten kann man mit Treibball nicht, auch wenn sich der Sport grundsätzlich auch schon für Welpen eignet. Zunächst gilt es, zuverlässigen Grundgehorsam aufzubauen. Denn Bello soll nicht bloß wie wild eine seltsame Art von „Fußball“ spielen. Er soll sich vielmehr zu jedem Zeitpunkt im Spiel kontrollieren lassen. Deshalb geht ohne bilderbuchreifes „Sitz“, „Platz“ (im Treibball „Down“) und „Komm“ (im Treibball „Bei“) gar nichts. Nijboer selbst und viele Hundetrainer halten auch ein sicheres „Apport“ nebst Futterbeuteltraining für wichtig, um den Hund für das Treiben der Bälle zu begeistern. Alternativ kann man aber auch auf ein Apportierspielzeug ausweichen oder ganz einfach Leckerchen verwenden. Geübt wird anfangs mit nur einem Ball. Zunächst muss der Hund lernen, dass er diesen durch Anstupsen zu treiben hat. Zunächst mit der Schnauze, später, bei höherem Tempo, auch mit dem ganzen Körper. Dazu werden Futterbeutel, Spielzeug oder Leckerchen so unter den Ball gelegt, dass der Hund den Ball wegstupsen muss, um an die begehrten Objekte zu gelangen. Die meisten Hunde finden sehr bald großen Spaß an der Stupserei und brauchen kein zusätzliches Motivations-Mittel mehr. Das Stupsen wird nun ebenfalls mit einem Signal belegt, zum Beispiel mit „Ball“ oder „Sheep“. Während die Vierbeiner den Ball dann durch die Gegend bewegen, üben sie die bereits bekannten Signale. Klappt die „kleine Schule“, kommt die große hinzu und damit Signale wie „Voran“, „Stopp“, „Rechts“, „Links“ und „Leine“ (gehen zu einem bestimmten Ort, an dem die Leine abgelegt wurde). Wer Spaß daran hat, kann sich eine Schäfer-Pfeife besorgen und all diese Signale mit spezifischen Pfiffen belegen. Nach und nach werden schließlich weitere Bälle hinzu genommen.

Das Spiel

Wer seinen Hund mit den Bällen wie bei einem „Schaf-Ballett“ dirigieren kann, ist reif für das Spiel. Dabei werden die acht Gymnastik-Bälle etwa 15 bis 20 Meter vor einem zwei mal drei Meter großen Tor platziert, angeordnet in einem Dreieck. Die Spitze des Dreiecks zeigt vom Tor weg. Hund und Besitzer beziehen etwa eine Armlänge neben dem Tor Stellung. Auf das Signal „Voran“ läuft Bello nun los, um die Bälle nacheinander ins Tor zu treiben. Hilfe erhält er von seinem Besitzer, der ihn mit „Links“, „Rechts“, „Voran“, „Stopp“ etc. in die richtige Richtung lotst. Sind alle Bälle im Tor, macht Bello brav parallel zum Tor „Platz“.

Schwierigkeiten

Manche Hunde sind so begeistert, dass sie in die Bälle beißen und sich anfangs überhaupt nicht kontrollieren lassen. Wer solch einen Hund besitzt, sollte statt der Gymnastikbälle zunächst unkaputtbare „Jolly-Bälle“ verwenden. Geeignet sind auch sogenannte „Ferkelbälle“, Spielzeug aus der Schweineaufzucht. Wer einen sehr kleinen Hund besitzt, kann Treibball auch mit den kleineren Gymnastikbällen für Kinder spielen. Da der Besitzer während des gesamten Spiels neben dem Tor stehen bleibt, ist die Versuchung oft groß, den Hund mit einem „Bring“-Signal zum Herankommen zu veranlassen. Das ist jedoch ein Kunstfehler, denn der Hund soll ja nicht „bringen“, sondern „treiben“. Da von Angesicht zu Angesicht die Dinge zudem „spiegelverkehrt“ erscheinen, neigen viele Menschen auch zum Verwechseln von rechts und links, wenn Bello auf sie zukommt. Was für den Hund „links“ ist, ist aus Sicht des Menschen dann „rechts“. Darauf gilt es zu achten, will man sich und den Hund nicht durcheinanderbringen.

Für Enthusiasten

Nijboer hat Treibball als Turniersport ausgelegt. Es gibt also auch ein Punktesystem, wonach die Leistungen mehrerer Treibball-Teams miteinander verglichen werden können. Turniere sind hierzulande allerdings noch selten. Dennoch gibt es immer mehr Hundesportvereine und Hundeschulen, die Treibball anbieten. Wer keinen „Klub“ in seiner Nähe hat, kann jedoch auch selbst einen Verein gründen oder eine Übungsgruppe organisieren. Eine Dachorganisation fehlt bislang.

Tipps und Tricks zu Treibball:

  • Gefestigter Grundgehorsam ist das A und O
  • Zunächst mit einem Ball üben, später nacheinander mehr Bälle hinzu nehmen
  • Beachten, dass Kontrollierbarkeit beim Treibball aus der Freude an der Zusammenarbeit resultiert und nicht über Druck zu erreichen ist

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