IBD beim Hund, Foto: Andrii Muzyka, Fotolia.com

IBD beim Hund, Foto: Andrii Muzyka, Fotolia.com

Beim Menschen sind sie seit Langem bekannt: chronische Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Krankheiten ereignen sich in Schüben mit blutigen Durchfällen. Sie verursachen Krämpfe und Schmerzen und verringern  die Lebensqualität immens. Auch bei Hunden werden Darmentzündungen in den letzten Jahren vermehrt beobachtet.

Die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Sicher ist, dass es sich um eine überschießende Immunreaktion der Darmschleimhaut handelt und dass diese durch das Zusammentreffen mehrerer Faktoren ausgelöst werden kann: Genetische Veranlagung bestimmter Rassen, wie zum Beispiel Boxer, Schäferhund oder Shar-Pei, Überempfindlichkeit und Unverträglichkeit verschiedenster Futterinhaltsstoffe, eine Fehlbesiedlung der Darmbakterien und Stress begünstigen den Ausbruch einer IBD (Inflammatory bowel disease, wie der Krankheitskomplex im Englischen genannt wird).

Die Symptome sind dramatisch, die Diagnose schwierig

Hauptsymptom ist das Ausscheiden von schleimig-blutigem Durchfall, oft verbunden mit schmerzhaften Bauchkrämpfen, Erbrechen, Gewichtsverlust und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Die Erkrankung schreitet in Schüben voran und kann den gesamten Verdauungstrakt vom Magen bis zum Dickdarm betreffen. Zu Beginn eines Schubes steigt die Kotabsatzrate, die Konsistenz wird weicher, die Form dünner und kürzer. Sind am Anfang nur Schleimauflagerungen auf dem Kot zu erkennen, können diese schnell blutig werden, bis fast nur noch blutiger Schleim ausgeschieden wird. Die Entzündung der Darmschleimhaut schreitet schnell voran und öffnet Tür und Tor für weitere Entzündungen, sodass hohes Fieber während eines akuten Schubes lebensbedrohlich werden kann.

Die Diagnose wird als Ausschlussdiagnose gestellt. Parasitenbefall des Darms mit Giardien und Würmern muss als Erstes ausgeschlossen werden. Eine Kotprobe zur Untersuchung der vorhandenen Bakterienflora ist nur in wenigen Fällen aussagekräftig. Vielversprechender sind Blutuntersuchungen, bei denen spezielle Entzündungsparameter auf eine mögliche IBD hinweisen. In jedem Fall sollte ein umfassendes Allergieprofil erstellt werden, da eine strenge Diät zur Therapie gehört. Eine Darmspiegelung mit Probenentnahme ist zur Sicherung der Diagnose sinnvoll.

Therapie ein Leben lang

Zunächst steht die Behandlung der aktuellen Krankheitszeichen im Vordergrund. Fiebersenker, Antibiotika und Entzündungshemmer werden eingesetzt, um der chronischen Entzündung Einhalt zu gebieten.

Hunde mit einer IBD müssen strenge Diät halten, da häufig Allergien auf verschiedene Futtermittel vorliegen, die einen erneuten Schub begünstigen. Welche Diät sinnvoll ist, wird nach Auswertung eines Allergieprofils bestimmt. Die Überempfindlichkeiten können sich im Laufe der Jahre jedoch verstärken und auf weitere Allergiequellen ausweiten. Medizinische Diätfutter haben den Vorteil, dass sie hochwertiger und besser verdaulich sind und dadurch den angeschlagenen und vernarbten Darm entlasten.

Je nach Schwere der Erkrankung bekommen die Hunde zusätzlich Medikamente, zum Beispiel zur Regulation des Immunsystems. Alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder Ozontherapie sind bei chronischen Darmentzündungen immer eine Überlegung wert. Da es sich bei der IBD um eine Autoimmunkrankheit handelt und jeder Körper unterschiedlich reagiert, sind die Wege zur Genesung sehr individuell. Alternative Heilmethoden erfordern daher vom Hundebesitzer ein erhöhtes Maß an Geduld, Aufmerksamkeit und Konsequenz.

Eine Heilung der Krankheit ist in dem Sinne nicht möglich. Jedoch kann man den Schweregrad der Erkrankung verringern und die Abstände zwischen den Schüben verlängern. Ein Hund mit IBD kann noch viele Jahre glücklich leben, erfordert aber viel Kraft und Geld während der Zeit vom ersten Schub bis zur Diagnose und bis zum Greifen der Therapie.

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