Nicht alles, was Menschen für ein Spiel mit ihrem Hund halten, ist auch aus Sicht des Vierbeiners eines. Diesen feinen Unterschied zu kennen, ist gerade für Hundehalter von großer Bedeutung.

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Nicht alles, was Menschen für ein Spiel mit ihrem Hund halten, ist auch aus Sicht des Vierbeiners eines. Diesen feinen Unterschied zu kennen, ist gerade für Hundehalter von großer Bedeutung.

Spielen macht Freude. Doch die Frage, warum Tiere spielen, beantworten nur die wenigsten eben damit. Die meisten fahnden nach „tiefer liegenden Gründen“. Am häufigsten begegnet man dem Argument, dass im Spiel Fähigkeiten trainiert würden, die zum Überleben wichtig seien. Das stimmt zwar. Wer aber ein Kind fragt, warum es spielt, erhält eine andere Antwort. Eben eine, die den Spaß herausstellt. Und wer ein Tier befragte, würde vermutlich nichts anderes hören. Würden Welpen so etwas antworten wie „damit ich später gut kämpfen kann“ oder „ich muss einmal Hasen fangen können“? Wohl eher nicht. Ob Mensch oder Tier: Alle spielen in erster Linie, um sich zu amüsieren. Ohne Ziel und ohne Sinn. Aus purem Spaß an der Freude.

Was Spielen eigentlich ist

Die Sache mit dem Spaß an der Freude bringt es auf den Punkt: Wenn Spielen wirklich Spielen ist, entbehrt es jeder Ernsthaftigkeit. Im Fachjargon sagt man „es fehlt der Ernstbezug“. Hunde vollführen im Spiel dieselben Dinge wie im Kampf, bei der Fortpflanzung oder auf der Jagd. Deshalb bekommen auch viele Menschen Angst, wenn sie spielende Hunde beobachten. Dass es Spiel ist, ist mitunter kaum zu erkennen – nur eben am „fehlenden Ernstbezug“: Die Tiere beißen oder rempeln einander nicht so fest, dass einer schreien würde, sie wechseln immer wieder die jeweilige Rollenverteilung im Spiel (mal ist der eine Jäger und der andere der Gejagte, dann wieder anders herum), reihen unterschiedlichste Verhaltensweisen zusammenhanglos aneinander und übertreiben maßlos in ihren Geräuschen und Bewegungen. Springen höher und weiter als notwendig wäre, schmeißen die Beine oder knurren laut. Dabei „sagen“ sie nichts anderes als ein Menschen-Vater, der „Jetzt fresse ich dich“ rufend hinter seinem kleinen, begeistert flüchtendem und quiekendem Kindlein herrennt. Im Spiel werden die Großen ganz klein, die Kleinen genießen Unbesiegbarkeit. Keiner fordert, und niemand muss gehorchen. Um sich gegenseitig zu versichern, dass alles, was man gerade getan hat oder gleich tun wird, Spiel ist, nutzen Hunde sehr häufig die „Vorderkörper-Tiefstellung“, die auch „Spielbogen“ genannt wird. Dabei pressen sie die ausgestreckten Vorderbeine und den Brustkorb auf den Boden und recken das Hinterteil in die Höhe. Manchmal wedelt der Schwanz, manchmal nicht. Mit dem Spielbogen entschuldigen sich Hunde zuweilen sogar, wenn einer dem anderen beim Spielen aus Versehen wehgetan hat oder zu grob war. Einige Wissenschaftler sehen vor allem das Sozialspiel, also das Spiel mit Spielpartnern, als Ausdruck eines Sinnes für Gerechtigkeit und Fairness an.

Spielen ist nicht gleich „spielerisch“

Vielleicht ist es die Mär vom „Training überlebenswichtiger Fähigkeiten“, die dazu geführt hat, dass vieles als „Spielen“ deklariert wird, was damit gar nichts zu tun hat. Kein anderes Haustier ist von dieser Verwechslung so massiv betroffen wie der Hund. Ohne sich dessen bewusst zu sein, spielen viele Menschen niemals mit ihrem Hund. Sie glauben lediglich zu spielen:  weil sie zum Beispiel regelmäßig „Bällchen schmeißen“, zum Dummytraining, Agility oder anderen Freizeitaktivitäten gehen oder ihrem Hund „spielerisch“ Gehorsam oder Kunststücke beibringen. Wer diese Aktivitäten jedoch „spielerisch“ durchleuchtet, wird feststellen, dass der Ernstbezug allermeistens eben nicht fehlt. Vielmehr gilt es für den Hund, das Bällchen oder den Dummy zurückzubringen, alle Hürden zu nehmen, alle Aufgaben auszuführen. Kein Herrchen oder Frauchen tauscht dabei je seine Rolle mit der des Hundes, probiert sich selbst im Spielbogen oder übertreibt in seinen bzw. ihren Bewegungen. Auch die Hunde tun es oft nicht – weil aus ihrer Sicht eben nicht wirklich gespielt wird.

Alles was richtiges Spiel ist, macht Freude, aber nicht alles was Freude macht, ist Spiel

Wer wirklich mit seinem Hund spielen möchte, sollte alle seine „spielerischen Aktivitäten“ auf den Ernstbezug abklopfen und prüfen, ob er im Einzelfall wichtig ist oder vielleicht nicht. Man muss mit seinem Hund nicht nur noch spielen – Hobbys wie Hundesport oder Dummytraining, Fährtensuche, „Gehorsam“ und Trickschule können und sollen bleiben wie sie sind. Wie wäre es aber mal damit, ums geschmissene Spielzeug um die Wette zu rennen, es im Zerrspiel an Bello zu „verlieren“, sich einen Spaß daraus zu machen, selbst durch Tunnel zu kriechen und über Hürden zu hopsen, während der Hund außen herumläuft, Fangen zu spielen und auch mal der Gejagte zu sein, im Gras zu ringen und sich absichtlich auf den Rücken zu legen, während Bello obenauf thront? Wer dergleichen nicht wagt, weil er fürchtet, der Hund könne es „ausnutzen“, sollte dringend einen versierten Hunde-Verhaltensexperten aufsuchen, denn dann könnte es Nachholbedarf in Sachen Mensch-Hund-Beziehungsqualität geben. Nur sehr wenige Hunde sind aufgrund ihres Charakters oder ihrer Vorgeschichte nicht (mehr) zu echtem Spielen fähig.

Fair Play

Manche Hunde haben aus Mangel an Gelegenheit nie gelernt, wie man rücksichtsvoll und fair mit Menschen spielt, die eine viel dünnere und empfindlichere Haut haben als andere Pelzgestalten. Anfangs kann das Spielen mit solchen Hunden dazu führen, dass die Fellnasen zu fest beißen, anspringen oder Ähnliches. Rücksicht lernen die Hunde dann nicht dadurch, dass man sie bestraft oder ausschimpft. Besser ist, laut und schmerzvoll aufzuschreien (auch wenn es nur ein bisschen weh tat) und das Spiel unvermittelt zu beenden, etwa indem man aufsteht, dem Hund den Rücken zukehrt und ein paar Schritte weggeht. Augenblicke später kann man das Spiel von Neuem beginnen. Die allermeisten Hunde lernen auf diese Weise sehr schnell, was sie sich erlauben können und was nicht, damit das Spiel allen Beteiligten Freude macht.

Tipps und Tricks zum Spielen mit Hunden:

  • Was unter Hunden ernst aussieht, kann Spiel sein – muss aber nicht
  • „Spielerische“ Aktivitäten darauf abklopfen, ob ein Ernstbezug wichtig oder verzichtbar ist
  • Dem Hund helfen, sich eine Vorstellung von Fairness und Gerechtigkeit zu erarbeiten

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