Ein Tiger steckt in jeder kleinen Samtpfote. Ein Löwenherz sowieso. Woher kamen eigentlich die „Urmütter“ der Hauskatze und die ihrer „rassigen“ Vettern?

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Ein Tiger steckt in jeder kleinen Samtpfote. Ein Löwenherz sowieso. Doch woher kamen eigentlich die „Urmütter“ der Hauskatze und die ihrer schönen, „rassigen“ Vettern?

Aus Mitteleuropa jedenfalls nicht. Auch wenn hier die Europäische Wildkatze zu Hause ist, die auf den ersten Blick so manch getigertem Vierbeiner in des Menschen Stube sehr ähnlich zu sein scheint. Da „Mohrle“ oder „Tabsi“ an kalten Tagen aber liebend gerne in der Nähe von Heizkörpern „schmoren“, ist es mehr als naheliegend, die Abstammung der Hauskatze ganz woanders zu verorten. So viel Wärme genießt nämlich nur, wer aus ganz heißen Gegenden kommt. Aus der Wüste zum Beispiel. Damit ist die wahre Stammmutter tatsächlich schnell ausgemacht.

Eine waschechte Afrikanerin

„Felis libyca“ nennen sie die Systematiker im lateinischen Wissenschaftsjargon. „Ägyptische Falbkatze“ heißt sie auf Deutsch. So wie der Wolf für den Hund gilt die Ägyptische Falbkatze als alleinige Stammform für sämtliche Hauskatzen. Zugegebenermaßen sind im Ursprungsgebiet noch einige Unterarten beheimatet, die in Sachen Domestikation sicher mitgemischt haben. Mancher mag vermuten, dass die Europäische Wildkatze dennoch einen Teil zur Hauskatze beigetragen hat. Doch Gentests haben gezeigt, dass es nur ganz selten und ausnahmsweise zu Kreuzungen mit Europäischen Wildkatzen gekommen sein kann. Zudem war die Hauskatze längst domestiziert, als sie den Weg nach Europa angetreten hat. Und hier – ganz trocken ausgedrückt – brauchte sie eigentlich erst mal keiner. Zumindest nicht als Mäuse- und Rattenfänger. Diese Aufgabe beherrschten jahrhundertelang nämlich ganz andere illustre Vierbeiner: Frettchen.

Es werde die Hauskatze!

In den Kornkammern der Ägypter gab es keine Frettchen. Umso willkommener waren wohl die Katzen. Man vermutet, dass das alte Ägypten das Zentrum der Domestikation der Falbkatze gewesen sein muss. Zunächst ein Kulturfolger, soll sich das schöne Tier praktisch selbst domestiziert haben, indem es sich einfach in der Nähe der Menschen niederließ. Bald wurden die Katzen von den Zweibeinern verehrt. Sorgten sie doch mit der Mäuse-Kontrolle nicht nur für die Sicherheit der Nahrungsvorräte, sondern auch dafür, dass weniger vierbeinige Krankheitsüberträger durch die Gegend liefen und Essen kontaminierten. Darstellungen der heiligen Katze Bastet ähneln stark dem Erscheinungsbild der Falbkatze. Archäologen haben dem Wüstensand aber noch allerhand andere Katzen-Kostbarkeiten entlockt. Sogar Katzen-Mumien. Wann genau die Katze sich über die ganze Welt verbreitet hat, ist nicht so genau auszumachen. Um 800 v. Chr. wird sie in China erwähnt, um 400 v. Chr. soll sie in den griechischen Kolonien und rund um das Mittelmeer aufgetaucht sein. Die Frettchen hat sie wahrscheinlich abgelöst, weil sie dann doch etwas besser roch.

Orangenfarbene Ohren

Biologisch ist über die Stammmutter der Hauskatze sehr wenig bekannt. Dabei gibt es sie bis heute. Die Falbkatze besiedelt ein riesiges Verbreitungsgebiet in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel bis ans Kaspische Meer. Dabei gibt es verschiedene Unterarten und geographische Variationen. Besonders leicht lassen sich diese anhand ihrer Fellfarben unterscheiden. Die Palette reicht von fahlem oder dunklerem Grau über Beige und bräunlichen bis hin zu rötlich-gelben Tönen. Manche Falbkatzen sind mehr oder weniger getupft, andere gestreift. Alle zusammen lassen zudem ein enormes Maß an Variabilität erkennen. Die ist Voraussetzung dafür, dass sich die vielen verschiedenen Katzenrassen entwickeln konnten. Das herausragendste Merkmal der Falbkatze sind jedoch ihre Ohren: Deren Rückseite ist leuchtend orange. Man vermutet, dass diesem Kontrast große Bedeutung in der Kommunikation der Falbkatze zukommt.

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