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Katzen überleben häufig lebensgefährliche Situationen. Woher die Redewendung stammt, dass sie mehrere Leben haben, liegt aber mehr als im Dunkeln – ein echter Fall für Detektive.

Wie viele Leben eine Katze wirklich hat, lässt sich natürlich ganz schlicht beantworten: nur eines.

Und wie jede andere Tierart auch, fallen sie klassischen Krankheiten und Unfällen zum Opfer. Aber im Vergleich zu anderen Heimtieren weisen sie die ein oder andere Besonderheit auf.

Woher stammt der Eindruck von der „zähen“ Katze?

Der Verdacht, dass Katzen besonders zäh sind, ist mehr oder weniger ein Erfahrungswert – und dass schon, seitdem die Menschheit regelmäßigen Umgang mit den Vierbeinern pflegt:

Wer beispielsweise mit streunenden Katzen zu tun hatte, wird sich schon manches Mal gewundert haben, dass einige obdachlosen Katzen selbst mit massivem Katzenschnupfen und triefenden Augen auch nach Wochen noch lebend umherstreifen – entgegen aller medizinischen Prognosen.

Ebenso erstaunlich ist der Umstand, dass Katzen oftmals Stürze aus dem Fenster überleben – selbst aus extremen Höhen.

Der sogenannte „Stellreflex“

Dabei kommt ihnen eine Eigenheit zugute: Sie können während eines Falls in der Luft ihre Position durch eine Drehbewegung korrigieren, um sicher auf allen vier Pfoten zu landen. Dieses Phänomen nennt man „Stellreflex“. Dank geschmeidiger Gelenke können sie sich zudem gut abfedern.

Sieben oder neun Leben?

Dass Katzen einige haarsträubende Situationen überleben ­– darauf spielt auch die Redewendung von den mehreren Leben an.

Dabei gibt es zwei Varianten: Mal haben Katzen sieben Leben, mal neun. Und nicht nur Katzenliebhaber interessieren sich dafür, woher diese Aussage eigentlich stammt.

Warum zwei Zahlen kursieren, lässt sich noch relativ einfach erklären: Im englischen Sprachraum hat eine Katze neun Leben. So sang beispielsweise John Lennon 1971 „Well now you know that your cat has nine lives“ im Refrain von „Crippled Inside“.

In Deutschland wiederum war immer die Rede von den sieben Leben einer Katze – zumindest ursprünglich. Denn: Seit etwa zwanzig Jahren hat sich auch hier die Version von neun Leben zunehmend eingebürgert.

Aus dem Land der Märchen und Pharaonen

Der reinste Kuddelmuddel kommt spätestens bei der Erklärung zur eigentlichen Herkunft der Redewendung zustande: Da werden die wildesten Vermutungen über die mystische Bedeutung der Zahl Sieben angestellt, die gewiss in den Märchen der Gebrüder Grimm und auch im alltäglichen Sprachgebrauch eine große Rolle spielt. Verlässliche Antworten, worin die enge Verknüpfung zwischen Zahl und Katze besteht, bekommt man nicht.

Auch kursieren Geschichten, dass Katzen im alten Ägypten für Pharaonen als Vorkoster für neun Gänge herhalten mussten – was die Vierbeiner angeblich mit Bravour überlebten. So eine Erklärung klingt natürlich erst mal unheimlich spannend.

Ernüchternde Antwort

Die Ralf-Lindermann-Redaktion wollte es ganz genau wissen und holte sich fachkundigen Rat bei Experten, die es wissen sollten: beim Redaktionsteam vom Duden und beim Ägyptologischen Seminar in Berlin.

Das Ergebnis war mehr als ernüchternd. Erstens: Es ist keine verbindliche Quelle bekannt, woher die Redewendung wirklich stammt. Und zweitens: Wie so viele andere Wandersagen über die Welt der alten Ägypter gehört wohl auch die Katzen-Vorkoster-Story ins Reich der Märchen. Und: Die Zahl Neun soll bei den alten Ägyptern auch nicht wirklich von Bedeutung gewesen sein.

Weitere sachdienliche Hinweise nimmt die Ralf-Lindermann-Redaktion aber gerne als Kommentar entgegen.

 

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