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Katzen genießen hinsichtlich ihrer Körperpflege zu Recht einen guten Ruf. Mehrmals am Tag widmen sie sich ihrem Haarkleid und bringen es durch Lecken und Knabbern in einen vorzeigefähigen Zustand. Bei übersteigertem Putzverhalten sollte man aber dringend einen Tierarzt aufsuchen.

Nämlich dann, wenn die Katze sich nicht nur gemütlich nach den Mahlzeiten, vor und nach dem Schlafen und einfach mal kurz zwischendurch putzt. Beim sogenannten „Overgrooming“ geht die Fellpflege ganz deutlich über das übliche Maß hinaus.

Wie äußert sich übertriebenes Putzverhalten?

Wenn die Fellpflege ungesunde Züge annimmt, lässt eine Katze kaum von ihrem Tun abbringen. Sie hört plötzlich nicht mehr auf ihren Namen und interessiert sich nicht für das lustige Spielzeug, das sich neben ihr bewegt. Es fällt ihr sichtlich schwer, das Putzen zu beenden. Und falls sie doch auf die Ablenkung durch den Menschen reagiert, widmet sie sich kurze Zeit später erneut ihrem Körper.

Geht die Katze dieser Tätigkeit in Anwesenheit ihrer Halter nach, so können diese häufig beobachten, dass nicht nur für ein Viertelstündchen über das Fell geschleckt wird. Stattdessen ist die Katze nun mehrere Stunden des Tages mit Putzen beschäftigt.

Weitere Anzeichen für Overgrooming

Manchmal lässt sich der Stubentiger in Anwesenheit seiner Menschen aber auch nichts anmerken. Die Halter entdecken dann Indizien,  wie beispielsweise besonders viele auf dem Schlafplatz liegende Haare. Sind diese in kleine Büschel gezwirbelt, ist das ein Hinweis darauf, dass die Katze sie mit den Zähnen ausgerissen hat. Durch exzessives Lecken hingegen brechen die Haare immer weiter ab. Die betroffenen Körperpartien werden immer lichter, bis schließlich nur noch kahle Haut zu sehen ist. In extremen Fällen leckt die Katze auf der Haut so lange weiter, bis kleine Wunden entstehen.

Häufig betroffene Bereiche sind Bauch und Flanken, Hinterbeine und Vorderbeine.

Ursachen für übertriebene Fellpflege

Ein solches Verhalten ist immer ein Hinweis darauf, dass etwas im Katzenleben überhaupt nicht stimmt. Bei etwa 75 Prozent der Fälle steckt hinter dem exzessiven Lecken oder Knabbern ein gesundheitliches Problem: Von einem Flohbiss über Harnwegsinfekte und Arthrose bis hin zu Krebserkrankungen kann alles dahinter stecken. Die Katze reagiert mit der vermeintlichen Fellpflege auf Schmerzen oder Ziepen, Juckreiz oder Missempfindungen. Es ist gut möglich, dass das Putzen der einzige erkennbare Hinweis auf die Erkrankung ist.

Bei etwa 10 Prozent der Fälle ist die exzessive Fellpflege Symptom eines psychischen Problems. Dabei kann es sich um eine Angststörung der Katze, aber auch um eine echte Verhaltensstörung (Stereotypie/Zwangsstörung) handeln. So wird zum Beispiel vermutet, dass stereotyp wiederholte Leckbewegungen einen beruhigenden Effekt auf eine chronisch ängstliche Katze haben können.

Bei den verbleibenden 15 Prozent liegt dem Overgrooming eine Kombination aus körperlichen und psychischen Faktoren zugrunde.

Hilfe bei exzessivem Putzverhalten

Der erste Weg bei Verdacht auf Overgrooming sollte zunächst zu einem Tierarzt führen. Ist die Ursache nicht sofort ersichtlich, müssen nach und nach verschiedene Erkrankungen diagnostisch ausgeschlossen werden.

Die Bezeichnungen der möglichen psychischen Diagnosen allein verdeutlichen: Sind gesundheitliche Ursachen wirklich ausgeschlossen, sollten sich betroffene Halter direkt an einen Katzenverhaltenstherapeuten wenden, um die psychische Komponente auszuloten.

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