Sie sind schön, selten und außergewöhnlich. Kein Wunder, dass manche Zweibeiner ihnen nicht widerstehen können. Doch Wildkatzen-Mischlinge sind mit Vorsicht zu genießen.

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Sie sind schön, selten und außergewöhnlich. Kein Wunder, dass manche Zweibeiner ihnen nicht widerstehen können. Doch Wildkatzen-Mischlinge sind mit Vorsicht zu genießen.

Für manche Katzenzüchter war es eine Offenbarung, als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass man ganz normale Hauskatzen erfolgreich mit verschiedenen Wildkatzenarten kreuzen kann. Und es kamen dabei auch noch echte Schönheiten heraus. Exotik ist Trend, und was lag damit näher, als neue Katzenrassen zu kreieren? Dem Katzenliebhaber werden diese oft als „pflegeleicht“, „besonders gesund“ und „ursprünglich“ angedient. Dumm ist nur, dass Mischmasch nicht zwangsläufig zu einer Kombination der besten Eigenschaften führt. Und dass man keinen anhänglichen Stubentiger kriegt, nur weil immerhin ein Elternteil eine gemütliche Hauskatze war.

Wild bleibt wild

In Sachen Wolf-Hunde-Mischling hat es das böse Erwachen bereits gegeben. Denn nur im Welpenalter sind Hybriden, wie Mischlinge im Fachjargon genannt werden, noch halbwegs kuschelige Haustiere. Setzt die Pubertät ein, schlägt das Wildtier durch. Und das weiß dann zumeist nichts mehr von seiner scheinbaren Zahmheit, empfindet menschliche Zuwendung im besten Falle als lästig und will nur noch eines: unabhängig sein. Verhaltensprobleme sind deshalb oft vorprogrammiert – ohne dass ein Verhaltenstrainer jemals helfen könnte.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Bengalkatzen und Savannah-Katzen heißen die Hybriden, die sich der geneigte Katzenfreund heute unkompliziert ins Haus holen kann. Bengalkatzen sind Mischlinge aus Haus- und asiatischer Leopardkatze. Als Hausgenossen sind sie allenfalls dann genießbar, wenn mindestens vier Generationen lang keine Wildkatze mehr eingekreuzt wurde. Ansonsten gerät die Haltung im Haus für das Tier leicht zur Quälerei, für den Menschen zum ultimativen Frusterlebnis. Ähnlich verhält es sich mit den Savannah-Katzen, auch wenn ihnen gern das Prädikat „wohnungshaltungs-tauglich“ angehängt wird. Savannahs sind Kreuzungen aus Hauskatze und Serval. Entsprechend erreichen sie locker eine Schulterhöhe von 45 Zentimetern. Allein ihre Größe stellt schon ein großes Fragezeichen hinter die Sache mit der Wohnungshaltung.

Katzenjammer vorprogrammiert

Ausgeprägte Jagdleidenschaft und ein enorm großes Bewegungsbedürfnis zeichnen alle Haus-Wildkatzen-Hybriden aus. Beides lässt sich im Hausstand des Menschen kaum befriedigen, es sei denn man verfügt über eine Farm mit möglichst weitläufigen und reich strukturierten Gehegen. Dann wird man seinen schönen Schatz wohl aber nur noch selten zu Gesicht bekommen. Kater der ersten Generation können unfruchtbar sein, beide Geschlechter markieren dennoch intensiv ihr Revier. Auch nach einer Kastration. War der Welpe noch stubenrein, wird das Katzenklo ab der Pubertät im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr mit dem Hintern angeschaut. Jagdleidenschaft, die nicht ausgelebt werden kann, gipfelt in Attacken gegen die Besitzer. Und unter „verschmust“ versteht der wiederum etwas anderes als das, was der Exot anzubieten bereit ist.

Schönheit hin oder her: die Folgen bedenken

Ob und aus welchen Gründen der Mensch wie viel Exotik braucht, wird kontrovers diskutiert und ist wie so oft eine Frage der persönlichen Einstellung. Dabei rückt der Tierschutzgedanke nicht selten in den Hintergrund. Ehe man für Frust, böses Erwachen und ein ruiniertes Tierleben viel Geld ausgibt, lohnt es sich, die eigenen Motive hinsichtlich der Anschaffung eines Exoten gründlich zu hinterfragen. Nur wer langjährige Erfahrung mit Katzen hat, gar keinen Schmusetiger haben möchte und den Bedürfnissen eines Vierbeiners mit Wildeinkreuzung platztechnisch gerecht werden kann, wird auch seine Freude daran haben.

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