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Der Volksmund nennt sie uncharmant die „Knochenbrecher“: Chiropraktiker, die mit gezielten Handgriffen die „Architektur“ von Mensch und Tier wieder ins rechte Lot (d)rücken.

Wenn es hinten zwickt, soll man vorne aufhören, heißt es. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Denn wenn es wo zwickt, nimmt der Körper von ganz allein Schonhaltungen ein. Das führt dazu, dass an der einen Stelle zwar entlastet, an einer anderen aber überlastet wird. Das Resultat ist ein Teufelskreis aus Verspannungen, Blockaden und Schmerzen. Auch bei Pferden kann das fatale Auswirkungen haben. Von Rittigkeitsproblemen über  „Widersetzlichkeiten“, Lahmheiten und Leistungsabfall bis hin zu echten organischen Erkrankungen.

Handwerk der besonderen Art

Die Chiropraktik ist eine sehr alte Heilmethode, die auf Medikamente verzichtet und ausschließlich auf die Kraft der Hände setzt. „Dabei wird überprüft, wie die Gelenke zueinander stehen und ob es Fehlstellungen gibt. Diese können wir durch einen kurzen, zielgerichteten Impuls beheben“, sagt die Tierärztin und Chiropraktikerin Dr. Nadine Richter. Dadurch normalisiert sich der Informationsfluss innerhalb des Nervensystems, der Körper kann seine Selbstheilungskräfte mobilisieren. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht immer die Wirbelsäule. Denn hier nehmen viele Probleme ihren Anfang. So kann zum Beispiel eine minimale Fehlstellung zweier Wirbel die Beweglichkeit des Beckens einschränken. Das wiederum beeinträchtigt den Gang. Im schlimmsten Fall fängt das betroffene Pferd irgendwann an zu humpeln.

Ursachenforschung ist wichtig

Auch wenn es „knackt“, tun chiropraktische Behandlungen nicht weh. Meistens sorgen sie im Nachhinein aber für einen ordentlichen Muskelkater. Chiropraktiker nehmen sich für ihre Behandlungen viel Zeit. Eine ausführliche Anamnese ist wichtig. Dabei wird nicht nur das Pferd begutachtet. Sein ganzes bisheriges Leben wird „durchleuchtet“: Komplikationen bei der Geburt, frühere und gegenwärtige Haltungsbedingungen, die Nutzung als Sport- oder Freizeitpferd, Ausbildungsmethoden und Reitweisen, Vorerkrankungen. Je „frischer“ eine Blockade ist, desto leichter lässt sie sich beheben, oft schon nach einer einzigen Behandlung. Bestehen die Probleme  längere Zeit, können mehrere Sitzungen nötig sein. Begleitet wird eine chiropraktische Therapie immer von einem ausgeklügelten Bewegungsprogramm für zu Hause. Manche Pferdehalter gönnen ihrem Tier ein- bis zweimal im Jahr vorbeugend einen Besuch beim „Knochenbrecher“.

Ganzheitlich heilen

Die Ursachen für Fehlstellungen, Verspannungen und Blockaden im Körper können vielschichtig sein. Viele Probleme resultieren aus Bewegungsmangel. Nicht wenige Reiter glauben, die Standzeiten ihres Pferdes in der Box ausgleichen zu können, indem sie es bei der Arbeit umso mehr fordern. Doch das verschlimmert die Probleme nur. Neben der Haltung und Nutzung eines Pferdes spielt oft auch die Ausrüstung eine Rolle, insbesondere ein schlecht angepasster Sattel. Nicht zuletzt kann der Reiter eigene Blockaden auf sein Pferd übertragen. Es empfiehlt sich also immer, nicht nur das Pferd einem Chiropraktiker vorzustellen, sondern auch sich selbst. Einige „Knochenbrecher“ besitzen eine Doppelqualifikation und können sowohl Pferde als auch Menschen behandeln. Günstig ist, wenn ein Chiropraktiker zugleich mit einem versierten Sattler kooperiert.

Tipps und Tricks in Sachen Chiropraktik für Pferde:

  • Vorbeugen ist besser als heilen
  • Probleme ganzheitlich angehen
  • Pferde artgerecht halten und bewegen

Video zum Thema:

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