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Für die dritte Folge besuchte Ralf Lindermann den Imker Frank Hinrichs auf dem Berliner Dom. Auch inmitten anderer Großstädte ist ein Trend zur Bienenhaltung zu beobachten.

Die Haltung von Bienen ist keineswegs nur „Landeiern“ vorbehalten. Auch in der Stadt besteht die Möglichkeit, dem ausgefallenen Hobby nachzugehen ­– nur wissen das viele noch gar nicht.

Neue Imker braucht das Land

Mit der Aktion „Berlin summt!“ soll nun ein Zeichen gesetzt werden. „Dafür wurden auf Dächern prominenter Standorte Bienenkästen aufgestellt. Der Dom ist einer davon“, erklärt Dom-Imker Frank Hinrichs. Auf dem Dach des Berliner Vorzeige-Kirchenhauses betreut er derzeit zwei Bienenstöcke mit 40.000 Bienen. Weitere Stationen sind unter anderem: das Berliner Abgeordnetenhaus, das Museum für Naturkunde, Deutsch-Russisches Museum, und die Dachterrasse vom Haus der Kulturen der Welt.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom Umweltforum für Aktion und Zusammenarbeit, der Stiftung für Mensch und Umwelt sowie Berliner Imkern und Hausbesitzern.

„Mit der städtischen Bienenhaltung wollen wir bei Städtern den Blick für natürliche Zusammenhänge schärfen. Gleichzeitig wollen wir junge Leute für das Hobby begeistern“, erklärt Dr. Corinna Hölzer, Mitinitiatorin der Initiative „Berlin summt!“

Und die Imkerzunft kann regen Zulauf derzeit gut gebrauchen: Sie wird durch Überalterung und die sinkende Zahl von Berufsimkern gerade immer kleiner.

Stadt-Bienen international

Eine waschechte Berliner Idee ist die städtische Imkerei übrigens nicht. „Urban beekeeping gibt es beispielsweise auch in Hamburg, London, Paris, München, New York und Tokio. Das besondere Anliegen der Berliner Akteure ist aber, bundesweit noch mehr Nachahmer zu finden und auch andere Bevölkerungsgruppen als nur Imker zu erreichen.

Reich gedeckter Tisch

Doch ist eine Großstadt überhaupt ein geeigneter Lebensraum für Bienen? „In einer grünen Stadt wie Berlin ist Bienenzucht sogar sinnvoll. Sie finden im Umkreis von drei Kilometern jede Menge Nektar. Es gibt das ganze Jahr über genügend Blütenpflanzen, die sie abernten können“, so Dom-Imker Frank Hinrichs.

Gerade die bundesdeutsche Hauptstadt bietet mit ihren reich bepflanzten Park- und Friedhofsanlagen, Verkehrsinseln, Balkonen und Wildwuchs auf Brachflächen einen ordentlich gedeckten Tisch für die sammelfreudigen Insekten. Kein Wunder, dass laut Statistik des Deutschen Imkerbundes städtische Imker sehr viel mehr Honig ernten als ihre ländlichen Kollegen. Berlin belegt derzeit mit 47 Kilogramm pro Volk und Jahr den Spitzenplatz, gefolgt von Hamburg mit 40 Kilogramm. Auf dem Land bewegt sich die Ernte eher zwischen 22 und 27 Kilogramm.

Bienen in der Stadt – ist das nicht gefährlich?

Mancher wird sich nun spontan fragen, ob City-Bienen in eng bebauten Lebensräumen nicht zum Problem werden könnten – zum Beispiel in der Nähe eines Kindergartens. „Die Angst davor ist sehr überzogen. Seit Jahrzehnten werden Bienen auf sogenannte Sanftmütigkeit gezüchtet. Außerdem achten Imker normalerweise darauf, dass kein Kindergarten in der Nähe ist“, sagt Dr. Corinna Hölzer.

Bienenfreunde gesucht

Bei dem Projekt geht es nicht nur um die bekannte, klassische Honigbiene. Allein in Berlin leben rund 298 Wildbienenarten. Die allermeisten von ihnen leben nicht einmal in einem Staat, sondern „solitär“. Das heißt: Als Einzelgänger versorgen sie ihren Nachwuchs einfach im Alleingang. Und: Etwa 40 Prozent der Wildbienen sind in ihrer Existenz bedroht.

Die Initiative „Berlin summt“ freut sich daher über tatkräftige Unterstützung – sei es durch Spenden, den Besuch eines Imkerkurses, engagierte Informationsarbeit oder Kunstaktionen. Städtische Bienenfreunde können die rastlosen Pollen- und Nektarsammler auch unterstützen, indem sie auf Balkonen, Terrassen und in Gärten auf Pflanzenschutzgifte verzichten. Noch besser: heimische Blumen und Stauden anpflanzen. Dabei gelten unbehandelte Wildblumenecken unter Bienen als besonders hip.

Wer sich gerne ein Bienenvolk aufs hauseigene Dach oder in den Garten stellen möchte, muss das vorher beim Veterinäramt anmelden. Und besonders wichtig: Auch die Nachbarn sollten einverstanden sein.

Video zum Thema:

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