Was tun, wenn Kaninchen & Co. bissig sind? Mit Geduld können sich Kleintierbesitzer zumeist das Vertrauen einer „hackfreudigen“ Fellnase erarbeiten.

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Wenn Kaninchen, Meerschweinchen und Co. bissig sind, kann der Haussegen gewaltig schief hängen. Zumeist können Kleintierbesitzer sich aber das Vertrauen einer „hackfreudigen“ Fellnase erarbeiten – allerdings nur mit Umsicht und Geduld.

Die Gründe, warum sich Kleintiere gegen Schmuseeinheiten zur Wehr setzen, können vielfältig sein. Die jeweilige Tierart spielt eine große Rolle. Die schlechte Nachricht: Alle Tiere, die mit Artgenossen wenig oder keine soziale Fellpflege betreiben, sind grundsätzlich schwer für Streicheleinheiten zu begeistern. Soziale Fellpflege heißt, dass Tiere gern beieinandersitzen und sich gegenseitig putzen. Hamstern zum Beispiel ist deshalb jede Schmuserei zuwider. Und auch Meerschweinchen sind nur „auf Abstand“ gesellig. Einige Kleintiere sind ihren wilden Urahnen noch so nahe, dass sie zwar gern miteinander kuscheln, nicht aber mit Menschen. Diverse Hörnchen gehören dazu, Rennmäuse, Degus oder auch Chinchillas. Zudem sind sämtliche Kleintiere Beutetiere. Einen Menschen, der sich unvermittelt über sie beugt und seine Hände nach ihnen ausstreckt, sehen sie als Beutegreifer. Hinzu kommen mögliche „schlechte Erfahrungen“.

Anti-Schmuser unter sich

Wer ein bissiges Kleintier der Kategorie „Anti-Schmuser“ besitzt, sollte zunächst überlegen, ob ihm auch das bloße Beobachten des oder der Tiere genügen würde. Viele Kleintiere gelten eigentlich sogar als „Beobachtungstiere“. Eine feindliche Gesinnung gegen Berührungen durch Menschenhand lässt sich mit Geduld durchaus abbauen. Das nimmt aber eine gewisse Zeit in Anspruch. Und: Nicht immer ist der Erfolg garantiert. Am aussichtsreichsten ist das Training bei anhänglicheren Fellnasen wie Kaninchen und Ratten.

So geht‘s

Die wichtigste erste Maßnahme ist, den Käfig so hoch zu platzieren, dass man sich nicht mehr darüber beugen muss, um ihn beispielsweise zu reinigen oder die Tiere zu füttern. Was immer man am und im Käfig zu tun hat, sollte von vorn, nicht mehr von oben erfolgen. Das kann bedeuten, dass ein neuer Käfig her muss. Ebenso wichtig ist, den unmittelbaren Kontakt zum bissigen Tier zunächst auf ein Minimum zu beschränken. Kein Verfolgen, kein Locken, kein Anschauen aus der Nähe. Das Tier soll lernen: „Der Mensch mag anwesend sein, aber er will nichts von mir“. Bei Meerschweinchen und Kaninchen empfiehlt es sich, ein größeres Gehege oder ein eigenes Zimmer einzurichten. Hier kann der Mensch scheinbar unmotiviert herumsitzen und erst mal zum „Einrichtungsgegenstand“ werden. Wenn Tiere aktiv attackieren, sobald man in den Käfig greift, lohnen sich feste Handschuhe. Dann kann man Beißattacken sprichwörtlich aussitzen, bis das Tier von selbst zu beißen aufhört. Das Tier macht so bald die Erfahrung, dass die Beißerei keinerlei Effekt hat – weder im positiven noch negativen Sinne. Zugleich sollte ein Rückzugsbereich im Käfig geschaffen werden, den man von außen verschließen kann. Ist das Tier zum Beispiel gerade in seinem Schlafhäuschen, wird es von außen dicht gemacht wie der Löwenkäfig im Zoo. So kann man dann etwa ungestört saubermachen.

Streicheltraining

Toleriert das Tier die Anwesenheit des Menschen, lässt es sich nicht dadurch stören, dass man sich bewegt, springt es nicht mehr beißend herbei, wenn man in den Käfig greift, kann der nächste Schritt beginnen. Nun verbindet der Mensch sein Erscheinen oder das seiner Hand mit etwas Positivem: mit Futter. Möglichst mehrmals am Tag. Es dauert unterschiedlich lange, aber irgendwann kommt das Tier in freudiger Erwartung herbei, wann immer es den Besitzer erblickt. Nun kann mit dem „Berührungstraining“ begonnen werden: Dem Tier wird Futter gereicht und während es davon abbeißt, berührt ein Finger ganz zart seine Stirn. Der Finger verschwindet, wenn das Tier kaut und berührt wieder und solange es erneut abbeißt. Im Laufe der Zeit wird die Berührung sehr behutsam und mit viel Geduld schrittweise auf den ganzen Körper ausgedehnt. Das kann mehrere Monate, vielleicht sogar mehr als ein ganzes Jahr dauern. Erst wenn das Tier alle Berührungen entspannt toleriert, darf mit dem Ausschleichen des Futters begonnen werden. Zunächst wird dann vorsichtig weitergestreichelt, solange das Tier kaut. Dann, während ihm das Futter gereicht wird und zuletzt ohne dass Futter in Sicht ist.

Wichtig

Auf keinen Fall darf das Tier im Trainingszeitraum gegriffen und in die Hand genommen werden. Zum Tierarzt reist es am besten in einem Transportbehältnis, das es kennt und von selbst aufsucht. Der Besitzer als Trainingsperson darf zudem keine unangenehmen Behandlungen am Tier vornehmen. Festhalten beim Tierarzt, Krallen schneiden etc. müssen auf einen „bösen“ anderen Menschen abgewälzt werden. Ein einziger „Vertrauensbruch“ reicht dem Tier, um in sein altes Verhaltensmuster zurückzufallen.

Tipps und Tricks bei bissigen Kleintieren:

  • Käfig auf Augenhöhe platzieren und nur noch von vorn „bewirtschaften“
  • Erst „Anwesenheit“ üben, das Tier nicht locken oder nach ihm greifen
  • Dann vorsichtig wohlfeile Snacks aus der Hand füttern, nach ein paar Wochen während des Fütterns kurz vorsichtig berühren
  • Streicheltraining ausdehnen und viel Geduld haben
  • Für unangenehme Behandlungen einen „Bösen“ engagieren

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