Foto: Farinoza-Fotolia.com

Probleme mit den Zähnen sind besonders bei Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas weit verbreitet. Die Ursache liegt im besonderen Aufbau der Zähne.

Vorneweg: Auch wenn sich alle drei Heimtiere durch längere Vorderzähne auszeichnen – anders als Meerschweinchen und Chinchillas zählen Kaninchen nicht zu den Nagetieren. Sie werden in der Fachwelt mittlerweile den Hasenartigen zugegordnet. Dennoch weisen die Zähne von Kaninchen und Nagetieren ein ähnliches Problem auf: Ihre Zähne wachsen ein Leben lang. Sie sind daher auf die Fütterung von Raufutter angewiesen, um einen gleichmäßgen Abrieb der Zähne zu gewährleisten. Zusätzlich ist eine korrekte Kieferstellung der Fellnasen entscheidend. Besonders bei Kaninchen ist das aber leider oft schon von Geburt an nicht gegeben.

Kaninchen sind die Nummer eins bei Zahnfehlstellungen

Bei vielen Kaninchen passen Ober- und Unterkiefer züchtungsbedingt nicht mehr optimal übereinander, so dass die Zähne beim Kauvorgang nur ungleichmäßig abgenutzt werden. Die Kieferfehlstellung kann nur minimal sein. Doch das reicht schon aus, dass sich langsam Zahnfehlstellungen ausbilden, die häufig erst bemerkt werden, wenn Komplikationen eintreten.

Zahnfehlstellungen der Backenzähne werden vom Tierbesitzer vor allem deshalb oft nicht bemerkt, weil die Maulhöhle natürlich schlecht einzusehen ist und Mundgeruch bei Kaninchen und Meerschweinchen selten wahrgenommen wird. Doch auch hier gilt: Wenn das Tier schlecht oder faulig aus dem Mund riecht, muss irgendetwas nicht in Ordnung sein.

Tödliche Gefahr: die Spangenbildung

Die sogenannte „Spangenbildung“ bedeutet bei Kaninchen und Nagern, dass die Backenzähne oder Teile der Backenzähne aneinander vorbeiwachsen. Die Zähne verkeilen und blockieren die seitlichen Kieferbewegungen. Logische Folge ist, dass die Nahrung schlechter zermahlen werden kann und daraus Verdauungsprobleme entstehen. Außerdem verletzen Zahnspitzen immer wieder die Schleimhaut der Maulhöhle und führen zu Entzündungen und schwer therapierbaren Abszessen. In ausgeprägten Fällen können die Backenzähne sogar so lang nach innen wachsen, dass sie eine Zahnbrücke bilden, bis sie in der Mitte des Gaumens aneinanderstoßen und die Zungenbeweglichkeit enorm einschränken. Bleibt all das vom Tierhalter unbemerkt, hat das nicht selten tödliche Folgen: Kaninchen und Nagetiere können keine Nahrung mehr aufnehmen und verhungern mehr oder weniger vor einem gefüllten Napf.

Die Allzweckwaffe bei Kaninchen & Nagetieren: Heu

Die effektivste Strategie, um eine Zahnspangenbildung zu vermeiden, ist die richtige Fütterung. Unabhängig von speziellen Ernährungsgewohnheiten von Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas gilt: Für alle drei Heimtiere ist frisches, langhalmiges Heu erst mal das ultimative Grundnahrungsmittel. Heu ist bei allen drei „Parteien“ nicht nur für den Verdauungstrakt notwendig, sondern sorgt auch dafür, dass sich der Kiefer richtig bewegt und die Zähne optimal abgerieben werden.

Eine regelmäßige Zahnkontrolle kann Leben retten

Ist erst einmal der Ernstfall, wie eine Abszessbildung oder Futterverweigerung, eingetreten, folgt eine langwierige und nicht selten unerfolgreiche Therapie. Die Korrektur der Zähne wird in schwerwiegenden Fällen unter Narkose vom Tierarzt vorgenommen. Abszesse müssen gespalten und dann täglich gespült und ärztlich versorgt werden. Der Eiter bei Kaninchen und Meerscheinchen hat eine feste cremige Konsistenz, die schlecht zu entfernen ist, sodass sich die Behandlungen über Wochen hinziehen können. Zusätzlich werden Antibiotika verabreicht, die bei Nagern und Kaninchen oft Nebenwirkungen haben und Durchfall verursachen, der wiederum schnell lebensbedrohliche Formen annehmen kann.

Kurzum: Es lohnt sich also, das Gebiss der Mümmelmänner regelmäßig zu kontrollieren. Dazu kann man die Wangen der Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas von außen abtasten und auf Unebenheiten achten. Einen einfachen Griff, bei dem der Oberkiefer vorsichtig gegen den Unterkiefer verschoben wird, können Sie sich von Ihrem Tierarzt zeigen lassen. Damit können Sie ganz leicht feststellen, ob die Zähne gegeneinander verschiebbar sind. Bei Tieren, bei denen eine Fehlstellung bereits „aktenkundig“ ist, müssen die Zähne künftig regelmäßig gekürzt werden. Das kann alle zwei Wochen, aber auch alle paar Monate notwendig sein. Falls Sie Zweifel haben: Lassen Sie die Zähne lieber einmal zu viel als zu wenig kontrollieren.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

 

Leave a reply

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar abzugeben.