BARFing; Foto: Barbara Helgason, Fotolia.com

BARFing; Foto: Barbara Helgason, Fotolia.com

Humanmediziner wissen es schon lange: Der Mensch bringt sich sprichwörtlich mit Messer und Gabel um. In Sachen „Besseresser“ lässt sich aber auch über die Ernährung von Hunden streiten. Vor allem über das sogenannte „Barfen“. Unser Fazit: Der Königsweg liegt – wie so oft – in der glorreichen Mitte.

BARF ist eine Abkürzung. Und eine Lebenseinstellung. „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“ treibt die Hundeszene um. Der Speiseplan für den Haushund sieht hier ausschließlich rohes Fleisch, Knochen und Gemüse vor.

Und das ist auf Anhieb auch erst mal gar nicht abwegig: Schließlich mampft ein Wolf, der wie unsere domestizierten Hunde zur Familie der „Canidae“, den Hundeartigen, zählt, sein Beutetier samt wildkräuter- oder auch sämereihaltigen Mageninhalt auf. Dementsprechend ist es für manche Hundehalter das einzig „wahre“ Futter, für die anderen allerdings der geebnete Weg in die Mangelernährung. Fest steht: BARF ist vitales Futter. Und das kann Fertigkost zunächst einmal nicht so ohne Weiteres von sich behaupten.

Totgekocht und aufgedampft

Praktisch, knusprig, haltbar – Fertigfutter hat viele Vorteile. Auch den, dass es wirklich alles enthält, was ein Hund braucht. Fertigfutter gibt es trocken, feucht und halbfeucht. Alle haben also vitamintechnisch Vorteile, aber auch so ihre Nachteile. Der größte ist, dass es sich dabei praktisch um Fast Food handelt. Natürlich schaffen es auch so einige Menschen, sich dauerhaft davon zu ernähren, ohne dass ihnen gleich alle Zähne aus- oder sie gar tot umfallen. Dennoch gibt es Besseres. Denn halbfeuchtes Futter enthält häufig jede Menge Zucker, Dosenkost oft nur Formfleisch und mehr Wasser als alles andere.

Trockennahrung wartet nicht selten mit einer ganz eigenen „Qualität“ auf: Weil im Herstellungsprozess die Zutaten zum Teil mehrfach auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzt werden und das kein Nährstoff überlebt, wird alles „Gesunde“ nachträglich aufgedampft. Hinzu kommt, dass sich knusprige Kroketten zumeist nur Dank größerer Mengen Getreide im Futter herstellen lassen. Das macht Bello unterm Strich nicht nur fett, sondern behindert auch seine Fähigkeit, bestimmte Inhaltsstoffe aus dem Futter überhaupt aufnehmen zu können. Zink zum Beispiel. Auch wenn im Futter also alles Nötige drin sein mag, heißt das noch lange nicht, dass Bello auch was davon hat. Deshalb gerät Fertigfutter immer wieder in den Verdacht, Hunde krank machen zu können. Nicht zu Unrecht.

Es ist, was es ist, sagt der Genuss

Menschen können viele Gründe haben, sich Fast Food einzuverleiben. Aber sie haben die Wahl. Der Hund nicht. Der muss fressen, was auf den Tisch, pardon, was in den Napf kommt. Was würde er wohl futtern, wenn er es sich aussuchen könnte? Wenn er die Wahl hätte und um sie wüsste? Den anverwandten Unterschied kennen würde zwischen einem Burger aus dem „Schnellimbiss“ und einem echt frischen aus dem Restaurant?

Ist „Barfen“ jetzt der heilige Gral?

Auch das „Barfen“ hat seine Nachteile. Zum einen ist es eine Wissenschaft für sich, Rohfutter so zusammenzustellen, dass der Hund die Nährstoffe und Vitamine bekommt, die er braucht. Besonders die Mangelernährung ist ein Risiko beim „Barfen“. Es setzt sehr viel Sachverstand, Organisationstalent und Konsequenz voraus. Wer das aufbringen kann, dessen Hund ist tatsächlich fein raus. Allerdings ist Rohes schwerer verdaulich als Gekochtes. Auch für den Hund. Zudem lässt sich nicht immer ohne Weiteres sicherstellen, dass alle Lebensmittel für Bello tatsächlich frisch und hygienisch einwandfrei sind. Und: Ein guter Zahnabrieb gegen Zahnstein, wie er beispielsweise durch Trockenfutter gewährleistet wird, ist auch nicht gegeben.

Fazit

Wichtiger als jedes „Entweder-Oder“ in der Hundeernährung ist die Abwechslung. Man kann „barfen“, muss aber nicht. Man kann auch selbst für den Hund kochen. Und man kann den Hund mit Fertigfutter ernähren.

Unser Fazit: Am besten bekommt ihm ein Mix aus allem – roh, gekocht und fertig. Je nach Tagesform, Zeitbudget und Laune. In Sachen Trockenfutter ist übrigens kaltgepresstes Futter mit maximal 10 Prozent Getreideanteil die beste Wahl. Hier wird auch weder totgekocht noch aufgedampft. In diesem Sinne: Lassen Sie es Bello schmecken!

Tipps und Tricks in Sachen pro und contra BARFen:

  • Wenn „gebarft“ wird, dann nur mit Sachverstand
  • Bei Fertigfutter auf kaltgepresste Sorten mit wenig Getreide achten
  • Lieber abwechslungsreich als dogmatisch füttern

 

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