Getreide im Hundefutter - Foto by fotolia

Getreide im Hundefutter – Foto by fotolia

Viele für Hunde erhältliche Futtermittel enthalten einen hohen Anteil an Getreide, das in Verdacht steht, chronische Ohren- und Darmentzündungen und andere Erkrankungen zu fördern. Es lohnt sich also, Bellos Futter einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Bei der Antwort auf die Frage, inwieweit Getreide überhaupt in einen Hundemagen gehört, hilft ein Blick in die Natur. Im Prinzip bietet Mutter Erde ihren Bewohnern ein großes Buffet, von dem sich jeder bedienen kann. Damit es für alle reicht, ohne dass Reste übrig bleiben, hat sich die Evolution etwas sehr Schlaues einfallen lassen: Sie hat nicht nur für Allesfresser gesorgt, sondern auch echte Spezialisten geschaffen. Nahrungsspezialisten. Zu denen gehört auch der Urvater der Hunde, der Wolf. Für ihn gilt der alte Werbespruch „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“. Daran hat sich sein Stoffwechsel angepasst. Deshalb sieht man Wölfe auch nicht bevorzugt an Ähren diverser Getreidesorten knabbern. Auch die Beutetiere des Wolfes sind eher keine „Müsli-Fans“. Und selbst wenn sich eine Maus den Bauch mit Körnern vollgeschlagen hat, ist die Menge an Getreide, die sie dem Wolf vorverdaut überlässt, äußerst gering.

Körnerfresser durch Domestikation?

Zugegeben, im Laufe der Domestikation hat sich der Verdauungstrakt des Hundes gegenüber dem des Wolfes etwas verändert. Insbesondere haben Hunde einen vergleichsweise längeren Darm entwickelt, eben in Anpassung an das, was sie von den Menschen zum Fraße vorgeworfen bekamen. Diese „Umbauten“ haben jedoch nicht dazu geführt, dass der „Hauswolf“ zum Körnerfresser mutierte. Seine domestikationsbedingten Veränderungen haben ihn aber an gekochte Nahrung angepasst. Die kann er, genau wie der Mensch, leichter verdauen als rohe (was jedoch keinesfalls bedeutet, dass ihm Rohkost nicht guttäte).

Ein Fleischfresser ist der Hund dennoch geblieben. Gemüse und ein bisschen Obst braucht er, weil Wölfe nicht nur das Muskelfleisch ihrer Beute verzehren, sondern auch deren Darm nebst Inhalt. Der Magen wird nach neueren Erkenntnissen übrigens liegen gelassen. Um Getreide verdauungstechnisch das Positive abgewinnen zu können, fehlen dem Hund also sämtliche Voraussetzungen. Und das kann Folgen haben.

Zivilisationskrankheiten auf den Hund gekommen

Dass Getreide den Weg in die Hundenahrung gefunden hat, ist auf nur einen einzigen Grund zurückzuführen: Als Protein- und Energielieferant ist es gegenüber Fleisch unschlagbar billig, egal wie teuer man es verkauft. Deshalb ist Getreide in den meisten Hundefuttern auch nicht nur in Mäusemagen-Mengen enthalten, sondern zu stolzen 60 bis 90 Prozent. Für Hunde ist das zu viel. Dabei geht es nicht primär darum, ob der einzelne Hund Getreide als solches „verträgt“. Denn auch wenn er es scheinbar ohne Probleme fressen kann, bewirkt es in seinem Körper etwas. Ein Zuviel an Getreide im Futter stört die Fähigkeit des Hundeorganismus, andere in der Nahrung enthaltene Stoffe aufzunehmen. Zink beispielsweise oder auch Magnesium. Das wiederum beeinträchtigt das Immunsystem, stimuliert das Wachstum von Tumoren und fördert Entzündungsprozesse. So leiden manche Hunde nur deshalb an chronischen Ohren- oder Darmentzündungen, weil ihr Futter zu viel Getreide enthält. Ist die Darmflora erst hinüber, reagiert Bello nacheinander auch auf andere Stoffe „empfindlich“ – das Getreide als den eigentlich Urheber auszumachen, ist dann im Nachhinein schwierig bis unmöglich.

Auch an Haut und Haarkleid kann sich ein Getreideüberschuss manifestieren: Das Haar sieht stumpf aus, wie „gerupft“ und „liegt“ nicht, die Haut neigt zu Schuppenbildung und Juckreiz. Im schlimmsten Fall kratzt sich der Hund dann so stark, dass er sich offene, nässende Stellen zufügt, die vor allem bei Zinkmangel schlecht heilen und im Nu von Bakterien und Pilzen besiedelt werden. In den Symptomen ist gerade ein Zinkmangel kaum von einer Allergie zu unterscheiden. Und ein Magnesiummangel wirkt sich auf das Verhalten aus, ohne dass man das Defizit durch eine bloße Blutuntersuchung entlarven könnte. Nicht zuletzt „sticht“ Getreide sprichwörtlich in Bellos Gelenke. Hunde, die etwa an Hüftgelenksdysplasie oder anderen Skeletterkrankungen leiden, sollten daher konsequent getreidefrei gefüttert werden. Krebspatienten ebenso.

Lieber auf Nummer sicher

Die negativen Auswirkungen von zu viel Getreide im Hundefutter lassen sich leicht leugnen, weil Hunde eine vergleichsweise geringe Lebenserwartung haben und viele von „Billigkost“ leben, ohne durch diverse Probleme aufzufallen. Mancher mag argumentieren, dass minderwertige Nahrung keine schädlichen Auswirkungen haben kann, wenn der Hund eines natürlichen Todes stirbt, ehe sich eine Erkrankung ausgeprägt hätte. In der Zucht ist eine solche Denkweise jedoch fatal. Denn ernährungsbedingte, aber verborgen gebliebene Probleme können an die Nachkommen weitergegeben werden.

Diese Vererblichkeit erworbener Eigenschaften wird „Epigenetik“ genannt: Auch wenn die nicht artgerecht ernährten Elterntiere augenscheinlich stets „gesund“ waren, können ihre Kinder und Kindeskinder zu Herz-Kreislauf-, Darm- oder Skeletterkrankungen, Krebs, Allergien, Hauterkrankungen, allgemeinen „Empfindlichkeiten“ oder Problemen mit dem Immunsystem leiden. Deshalb ist auch nicht alles, was danach aussieht, eine Folge von „Überzüchtung“.

Besser getreide- oder glutenfrei füttern

Dennoch muss man nicht gleich auf Rohkost umstellen oder selber kochen, um Bello seinem evolutionären Erbe entsprechend artgerecht und mit wenig Getreide zu ernähren. Denn mittlerweile gibt es auch unter den Fertig- und Trockenfuttern solche, die getreidefrei sind oder nur einen ganz geringen, tolerablen Anteil aufweisen. Ein gutes Futter enthält maximal 10 Prozent – glutenfreies – Getreide. Zu den glutenfreien Getreidesorten zählen Buchweizen, Hirse, Reis, Amaranth und Quinoa. Wenn das Futter daneben zu rund 50 Prozent aus Fleisch besteht und sich der Rest auf Gemüse, Obst und Kräuter beschränkt, kann man es Bello getrost in den Napf schütten. Die besten Probleme sind die, die von vornherein ausbleiben.

Tipps und Tricks in Sachen Getreide im Hundefutter:

  • Glutenhaltiges Getreide meiden
  • Glutenfreies Getreide zu insgesamt maximal 10 Prozent ist tolerabel
  • Eine Darmsanierung beim Hund niemals mit Milchprodukten versuchen, sondern lebende Milchsäurebakterien verwenden – die gibt es in der Apotheke in Tablettenform unter dem Namen „Paidoflor“ (ein mittelgroßer Hund erhält dreimal täglich zwei Tabletten ins Futter. Wichtig: Paidoflor gekühlt transportieren und im Kühlschrank lagern).

Besondere Empfehlung des Lindermann-Teams: eine vielfältige Auswahl an Hundetrockenfutter und „Terra Canis“, getreide- oder glutenfreie Nassfuttersorten für Hunde, aus unserem caruzoo-Shop.

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