Immer war er so lieb und dann das: Der Hund hat zugeschnappt. Das Entsetzen ist groß, die Angst ebenso. Hoffnung gibt es in den meisten Fällen dennoch.

Foto: TierfotografieWinter – Fotolia.com

Immer war er so lieb und dann das: Bello hat zugeschnappt. Das Entsetzen ist groß, die Angst ebenso. Das Vertrauen ist erst mal weg. Hoffnung gibt es in den meisten Fällen dennoch.

Oberstes Gebot dabei: Niemals allein herumdoktern. Der erste Weg nach einem Beißvorfall ist der zum Tierarzt. Fachleute schätzen, dass allein 40 Prozent aller Hundebisse auf Schmerzgeschehen zurückzuführen sind. Die Liste infrage kommender Erkrankungen ist lang und kann nur durch einen Tierarzt abgeklärt werden. Wichtig: Immer ein großes Blutbild anfertigen und die Schilddrüse untersuchen lassen. Denn Aggressivität kann auch durch eine Schilddrüsenunterfunktion hervorgerufen werden. Neben Erkrankungen spielen in Sachen Schmerz auch Überlastungen eine Rolle. Ein Muskelkater etwa kann genauso schmerzhaft sein wie eine vertretene Pfote, ein Insektenstich an einer besonders empfindlichen Stelle oder Ähnliches. Und selbst wenn nichts wehtut, können ein Tumor im Gehirn oder schlicht Erschöpfung Ursache für Beißvorfälle sein.

Verhaltenstherapeuten aufsuchen

Kann der Tierarzt nichts feststellen, sollte ein versierter Verhaltensberater zurate gezogen werden. Er durchleuchtet das Umfeld des Hundes und ist vor allem in der Lage, Bellos Psyche und Gefühlswelt nach Gründen zu durchforsten. Häufig stellt sich heraus, dass sich der Vierbeiner wegen einer vermeintlichen Banalität „nur“ gefürchtet und aus der Selbstverteidigung heraus gebissen hat. Nicht selten wurden in solchen Fällen die Signale des Hundes jahrelang nicht erkannt. Ein kleines Ereignis, eine Alltäglichkeit, ein gewohntes Hochnehmen oder Streicheln kann dann das Fass zum Überlaufen bringen. Ebenso können Wut, Ärger oder Frustration dazu führen, dass ein Hund zubeißt. Sei es, dass er Ressourcen wie Spielzeug, Futter oder Territorium verteidigt, einen Menschen für „Fehlverhalten“ maßregelt oder etwas erzwingen will. Ebenfalls häufig sind Beißvorfälle aufgrund von mangelnder Auslastung. Der Hund sucht sich eine Ersatzbeschäftigung, zum Beispiel im „Hüten“ der Kinder, oder steht gar schon kurz vor dem Durchdrehen oder einer echten Verhaltensstörung.

Auf die Details kommt es an

Ein schöner Spruch besagt, dass man nur sieht, was man weiß. Es ist deshalb keine Schande, sich beim Augen-Öffnen helfen zu lassen, im Gegenteil. Mit den geeigneten Strategien lassen sich viele Probleme dauerhaft aus der Welt schaffen. Wichtig: Einem Verhaltensberater sämtliche Details, auch scheinbar unbedeutende, erzählen und im Verlauf der Therapie am besten ein Tagebuch führen. Dennoch darf nicht verschwiegen werden, dass in einigen Fällen von Hundebissen jede Hilfe zu spät kommt. Doch auch hier gilt, dass nur der Tierarzt und echte Sachverständige den Einzelfall in all seinen Facetten beurteilen können. Besonders „gefährliche Rassen“, wie Rasselisten und die Kampfhund-Debatte immer wieder weismachen wollen, gibt es allerdings nicht.

Tipps und Tricks nach einem Beißvorfall:

  • Zum Tierarzt gehen
  • Verhaltensberater engagieren
  • Niemals allein herumdoktern

Link-Tipps:
Versierte Verhaltensberater sind im Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e.V. (VdTT) sowie im Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) organisiert:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

 

Leave a reply

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar abzugeben.