Manche Hunde sind wie Staubsauger. Kaum auf der Straße, ziehen sie sich rein, was nur im Entferntesten genießbar erscheint. Zum Glück macht Übung abstinent.

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Hund und Ernaehrung zur Vorbeugung von Zahnstein; Foto: Sebastian Wolf, Fotolia.com

Hund und Ernaehrung zur Vorbeugung von Zahnstein; Foto: Sebastian Wolf, Fotolia.com

Manche Hunde sind wie Staubsauger. Kaum auf der Straße, ziehen sie sich rein, was nur im Entferntesten genießbar erscheint. Zum Glück macht Übung abstinent.

Hunde, die einfach keiner herumliegenden Nascherei widerstehen können, leben gefährlich. Denn wie oft prunkt nicht nur ein verlorener Wurstzipfel auf dem Gehweg, sondern im schlimmsten Fall der in Tötungsabsicht hinterlegte Giftköder eines Hundehassers. Einigen Hunde können aber auch schon harmlose Pferdeäpfel oder Schafkötel den Garaus machen – bei ihnen sorgt ein Gendefekt dafür, dass sie manche Impfstoffe beziehungsweise Anti-Wurmmittel nicht vertragen. Übel, wenn der Bauer die Herde gerade behandelt hat. Und auch, wenn Wölfe Aas lieben, kann Gammelkost für Hunde unangenehme Folgen haben. Dem Hund die hemmungslose Straßen- und Freiland-Fresserei abzugewöhnen ist dabei gar nicht so schwer. Die ganz verfressenen Zeitgenossen brauchen zuweilen nur wieder mal etwas länger.

Verboten ist umso reizvoller

Viele Hunde nehmen nur deshalb Dinge von der Straße auf, weil sie verboten sind. Verbotenes verspricht besondere Genüsse, denke man nur an das Essen auf Herrchens und Frauchens Teller, an die Süßigkeiten und Chips, die sich die beiden vor dem Fernseher in den Hals schieben oder an das, was sie so alles wegwerfen. Was für eine Verschwendung in den Augen eines Hundes! Das allein ist jedoch nur das halbe Problem. Dessen andere Hälfte besteht in der menschlichen Neigung, das Missachten diverser „Befehle“ zu bestrafen, ohne dem Hund ein akzeptables Alternativ-Verhalten aufzuzeigen. Ein solches lernt der Hund bei einem gezielten  „Wir fressen nichts mehr von der Straße“-Training.

Neue Erkenntnis für den Hundegrips: Nichtstun bringt was!

Man kann nicht verhindern, dass ein Hund Dinge findet. Anstatt sie sich reinzuziehen, kann der Hund aber lernen, diese Dinge anzuzeigen. Das Training beginnt mit einem Leckerchen auf der offenen Handfläche und einem in der anderen Hand versteckten. Beide Leckerchen müssen anfangs identisch sein. Dem Hund wird eines auf der offenen Handfläche vor die Nase gehalten. Sobald er es nehmen will, schließt sich die Hand. Je nach Temperament wird der Hund nun versuchen, durch Kratzen, Lecken oder Knabbern an das Leckerchen zu kommen. Die Hand aber bleibt so lange geschlossen, bis sich der Hund kurz zurückzieht, wegschaut, den Besitzer anguckt oder nachdenklich verschnauft. In diesem Augenblick erhält er das in der anderen Hand versteckte Leckerchen. Hat der Hund das Spiel begriffen, kann man ihm auf der offenen Handfläche ein Leckerchen präsentieren, ohne dass er es zu nehmen versucht. Auch, wenn sich die Hand nicht schließt. Wichtig ist, die Belohnung fürs Nicht-Nehmen immer aus der anderen Hand zu geben. Am besten gibt man die Belohnung immer erst, wenn der Hund Blickkontakt aufnimmt: 1. Leckerchen präsentieren, 2. Bello schaut Frauchen ins Gesicht, 3. erhält Leckerchen aus der anderen Hand. Klappt das, wird das Leckerchen auf den Boden gelegt. Will der Hund das Leckerchen stibitzen, wird es fix mit dem Fuß abgedeckt. Fürs Nicht-Nehmen gibt es weiter Leckerchen aus der Hand. Klappt auch das, ohne dass die „Abdeckfüße“ zum Einsatz kommen, wird die Zahl der am Boden ausgelegten Leckerchen erhöht. Der Hund wird drumherum geführt und erhält Belohnungen aus der Hand. Alle Leckerchen sind noch immer identisch.

Orte wechseln

Während am Anfang das heimische Wohnzimmer ein prima Trainingsort ist, muss es zum Üben bald hinaus „in die weite Welt“ gehen. Denn dass er grundsätzlich nirgends und niemals etwas vom Boden aufnehmen darf, lernt der Hund nur, wenn er an vielen verschiedenen Orten lernen darf. Sonst klappt vielleicht alles auf Straßenpflaster, nicht aber auf der grünen Wiese, im Baumarkt, im Park oder bei Oma im Garten. Hat man bereits an mehreren verschiedenen Orten erfolgreich trainiert, kann man die Leckerchen mischen, sodass am Boden auch mal etwas anderes liegt als das, was es aus der Hand gibt. Anfangs darauf achten, dass die Belohnung aus der Hand für den Hund attraktiver ist als das Futter auf dem Boden. Wichtig: Sehr lange darf man nicht mehr ohne Super-Leckerli das Haus verlassen. Ebenfalls bedeutsam: Bello intensiv beobachten und möglichst eine Zeit lang an der Leine führen. Auf gar keinen Fall darf er sich im Übungszeitraum – auch nicht als „Trainingspanne“ – eigenmächtig von der Straße bedienen. Wer verbotene Dinge vor seinem Hund entdeckt, kann diese sehr schön ins Training einbeziehen. Und dann wird er kommen, der Tag, da der Hund von ganz allein vor „echten“ verbotenen Dingen stehenbleibt und seinen Besitzer anschaut oder von selbst einen Bogen um Gammelwurst macht. Er muss dann unbedingt sofort fürstlich belohnt werden. Sonst lernt er zwischen „Training“ und „Realität“ zu unterscheiden. Wodurch das Straßenfresser-Problem bestehen bleibt.

Tipps und Tricks, wenn der Hund von der Straße frisst:

  • Bello lernen lassen, dass Nicht-Nehmen attraktiv ist
  • Nicht strafen – der verbotene Happen könnte ihm das wert sein
  • Geduldig sein und an vielen verschiedenen Orten üben
  • Den Hund zumindest in „Gefahrengebieten“ vorübergehend an der Leine führen
  • Nicht-Nehmen belohnen
  • Die Belohnung erst ausschleichen, wenn das Meiden verbotener Dinge zuverlässig klappt, auch dann, wenn man nicht mehr aufpasst wie ein Schießhund

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