Schulterwurf und Nackenschüttler – beim Thema Hundeerziehung wird häufiger diskutiert, ob man das natürliche Verhalten imitieren sollte. Ist das wirklich sinnvoll?

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Schulterwurf und Nackenschüttler, Gähnen, Wegsehen, Nasenstüber – beim Thema Hundeerziehung wird häufiger diskutiert, ob man das natürliche Verhalten von Hunden nachahmen sollte. Doch ist das wirklich sinnvoll?

Die Antwort darauf lautet „Jein“. Hundeverhalten in Bellos Erziehung zu imitieren kann nützen, muss aber nicht. Wie so oft kommt es auch hier auf den Einzelfall an. Und darauf, ob das, was man probiert, wirklich Hundeverhalten ist.

Sein oder nicht sein

Ein Irrglaube marodiert seit Jahrzehnten durch die Hundeszene: Wenn Bello frech ist, einfach im Nacken packen und durchschütteln. Weil Mama das angeblich auch so gemacht hat, als der Schlingel klein war. Der sogenannte „Nackenschüttler“ findet sich allerdings nur im Beutefangverhalten. Wer seinen Hund schüttelt, gibt ihm also zu verstehen, dass er ihn töten will. Weil Bello das Ganze aber selbstverständlich überlebt, bleibt nach einigen Nackenschüttlern die Erkenntnis, dass Herrchen oder Frauchen Schwächlinge sein müssen. Deshalb: Schütteln verboten. Gleiches gilt für den „Schulterwurf“, bei dem der Hund gepackt und auf den Rücken geworfen wird. Um ihm zu zeigen, wer der Boss ist. Einen „Boss“ braucht Bello aber gar nicht. Er folgt und kooperiert auf der Basis eines sehr komplexen und umfassenden Vertrauensverhältnisses. Das macht der Schulterwurf kaputt. Knurren ist ebenfalls nicht ratsam, weil Hunde äußerst differenziert knurren und Menschen das nicht einmal ansatzweise schaffen. Außerdem wissen sie nicht, was sie Bello damit wirklich zu verstehen geben. Die meisten Hunde ignorieren knurrende Menschen irgendwann einfach.

Vorsicht mit Beschwichtigung

Die sogenannten Beschwichtigungssignale werden noch immer kontrovers diskutiert. Wichtig dabei: Echte Beschwichtigungssignale wie Pföteln, Sich-Kleinmachen oder das Naselecken werden in Konflikten nur von rangtiefen Tieren gegenüber ranghohen gezeigt, niemals umgekehrt. Wer meint, seinen Hund beschwichtigen zu müssen, erniedrigt sich. Und: Er verunsichert den Hund. Das beeinträchtigt wiederum das Vertrauensverhältnis. Was als Beschwichtigungssignal angesehen wird, ist in vielen Fällen eine „Übersprungshandlung“, ein Ersatzverhalten, mit dem Bello einen inneren Konflikt überspielt. Gähnen, ohne müde zu sein, gehört dazu, sich kratzen, wenn es gar nicht juckt, oder auch am Boden schnüffeln, obwohl da gar nichts riecht. Auch Übersprungshandlungen können von Verunsicherung zeugen. Bei Mensch wie Hund gleichermaßen.

Angemessen handeln

In manchen Situationen bietet es sich dennoch an, Hunden ein bisschen Hundeverhalten abzuschauen. Insbesondere dann, wenn man seinem Hund Sicherheit vermitteln möchte. Hunden und Wölfen gelingt das mithilfe sogenannter „Beruhigungssignale“. Sie werden nur von ranghohen gegenüber rangtiefen Tieren gezeigt und bedeuten so etwas wie „Macht euch keine Sorgen, es ist alles unter Kontrolle“ oder „Hab keine Angst, ich will gar nichts von dir“. Wegsehen oder sich abwenden (ohne sich kleinzumachen!) sind wichtige Beruhigungssignale. Beruhigend wirken auch eine gute Körperspannung, ruhige Atmung, unaufgeregte Bewegungen und eine feste, aber sanfte Stimmlage. Kurz alles, was Besonnenheit ausstrahlt. Ein weiterer Bereich, in dem man Hundeverhalten gut imitieren kann, betrifft die sogenannten Abbruchsignale. Damit stoppen Hunde und Wölfe Artgenossen, die im Begriff sind, Mist zu machen. Abbruchsignale sind sehr vielfältig, werden aber selten körperlich und tun nie weh. Ein kurzes, hartes „Hey“ oder „Stopp“ kann als Äquivalent zu einem Wuffen durchgehen, ein in die Händeklatschen als Abschnappen. Möglich sind auch ein Beiseitedrängeln oder eine Bewegungseinschränkung. Etwa als flotter Ausfallschritt Richtung Bello, wenn er sich vorzeitig aus einem „Platz-Bleib“ erheben will oder wenn man einen fremden Artgenossen davon abhalten möchte, sich dem eigenen Hund unerwünschterweise zu nähern.

Tipps und Tricks beim Imitieren von Hundeverhalten:

  • Hundeverhalten nur dann nachahmen, wenn es dem Hund wirklich nützt

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