„Das hilft nur, wenn man daran glaubt“ – geht es um Homöopathie, hört man diesen Satz recht oft. Andere schwören drauf. Aber wann kann Homöopathie sinnvoll sein?

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„Das hilft nur, wenn man daran glaubt“ – geht es um Homöopathie, hört man diesen Satz recht oft. Dennoch schwören manche drauf. Was steckt dahinter und wann und wie wirkt Homöopathie?

So wie „normale“ Medizin wirkt sie nicht. Denn die greift die jeweiligen Symptome einer Erkrankung als solche an. Fieber zum Beispiel, Schmerzen oder entzündete Ohren. Ob Hund „Struppi“ oder „Max“, Katze „Siri“ oder Meerschweinchen „Flox“: Die Schulmedizin schaut nicht auf das Individuum, sondern auf sein Problem. Und versucht das aus der Welt zu schaffen. Schwierig wird es, wenn dabei nur die Symptome unterdrückt werden, die Ursache des Problems aber weiter bestehen bleibt. Das ist gar nicht so selten der Fall, die behandelten Tiere werden dann nicht gesund.

Du bist, was du brauchst

Die Homöopathie geht anders an die Sache heran. Die offensichtlichen Symptome sind dabei zwar keine Nebensache. Sie stehen aber auch nicht einzig und allein im Mittelpunkt des Interesses. Das bezieht sich vielmehr auf das jeweilige Tier insgesamt, vor allem darauf, wie sein kleiner Körper mit dem Problem umgeht. Verschiedene Tiere, die augenscheinlich alle das gleiche haben, können sich bei genauerer Betrachtung sehr verschieden darstellen: Hat das eine beispielsweise enormen Durst, trinkt das andere überhaupt nichts, immer nur in ganz kleinen Mengen oder nur bestimmte Sachen. Während das eine völlig teilnahmslos in der Ecke liegt, tobt das andere herum, obwohl es ihm eigentlich total dreckig gehen müsste. Wieder ein anderes sucht intensiv die Nähe seines Menschen, sondert sich auffällig ab oder erscheint seltsam gereizt. Auf solche Symptome konzentriert sich die Homöopathie. Denn das sind die Symptome, die am Ende zu genau dem Arzneimittel führen, das das Tier ganz individuell braucht. So kommt es, dass verschiedenen Tieren, die alle das Gleiche haben, in der Tierhomöopathie ganz unterschiedliche Arzneien verordnet werden können. Am bekanntesten sind die berühmten „Kügelchen“, die Globuli. Ebenso erhält man aber auch Tropfen und Tabletten.

Kunst der Erkenntnis

Welche Symptome welchen Mitteln zugeordnet werden, ergibt sich aus sogenannten „Arzneimittel-Prüfungen“. Dabei nimmt ein Gesunder ein bestimmtes homöopathisches Mittel ein und dokumentiert minutiös, was mit seinem Körper und seinem Befinden in der Folge geschieht. Die Homöopathie geht davon aus, dass das, was bei einem Gesunden Krankheitssymptome auslöst, genau diese Symptome bei einem Kranken „heilt“. „Heilt“ in Anführungsstrichen, weil nicht das Mittel heilt, sondern der Körper sich selbst. Das Mittel spielt ihm sozusagen die Dissonanzen vor, die in ihm verkehrt „klingen“ beziehungsweise aus dem Gleichgewicht geraten sind. Homöopathische Arzneimittel aktivieren also die Selbstheilungskräfte des Körpers. Genau daraus resultieren auch die Grenzen der Homöopathie: Sie kann nur dann etwas bewirken, wenn der Körper in der Lage ist, noch Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Wo Strukturen derart zerstört sind, dass auch die Selbstheilung außer Kraft gesetzt ist, hilft Homöopathie allein nicht. Dennoch kann sie dann in der Lage sein, die Schulmedizin zu unterstützen, Schmerzen erträglicher zu machen oder Heilungsprozesse, nach Operationen etwa, zu beschleunigen. Das eine oder das andere zu verteufeln oder Homöopathie und Schulmedizin gegeneinander auszuspielen, ist daher nicht sonderlich ratsam. Das Beste resultiert immer aus einer klugen Verbindung beider Richtungen.

Im Ernstfall nicht ohne Fachmann

Das richtige homöopathische Mittel in der passenden Dosis zu finden, ist nicht einfach. Es empfiehlt sich daher immer, einen versierten Tierhomöopathen aufzusuchen, wenn mit Bello, Mieze oder Purzel etwas nicht stimmt. Ein Trugschluss ist übrigens die Annahme, dass in homöopathischen Arzneimitteln aufgrund der immensen Verdünnung der Wirkstoffe „nichts“ drin wäre. Die Natur kennt kein „Nichts“, auch der viel zitierte Zuckerwürfel, der theoretisch in einer Wassermenge aufgelöst würde, die in ihrer Größe dem Bodensee entspräche,  wäre tatsächlich noch vorhanden. Ein Aal zum Beispiel kann noch viel stärkere Verdünnungen von in Wasser gelösten Substanzen wahrnehmen: Ihm genügt 1 Kubikzentimeter Substanz aufgelöst in einer Wassermenge, die 58 Mal größer als der Bodensee ist.

 Tipps und Tricks zur Homöopathie bei Tieren:

  • Homöopathische Arzneimittel nicht wie Medikamente der Schulmedizin einsetzen
  • Repertorien nutzen, um das individuell passende Mittel zu finden
  • Am besten immer die Hilfe eines Tierhomöopathen in Anspruch nehmen
  • Homöopathie ist keine „alternative“ Medizin, sondern eine ergänzende („Komplementär-Medizin“)

Buchtipps:

  • Andreas Schmidt: „Grundkurs in klassischer Homöopathie für Tierärzte“
  • Rudolf Dieser: „Alphabetisches Repertorium der homöopathischen Tiermedizin“

(beide Bücher sind auch für Laien verständlich geschrieben)

Link-Tipps:

 

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