Durchfallerkrankungen können bei Kaninchen und Meerschweinchen schon in kürzester Zeit zum Tod führen. Bei den ersten Anzeichen lautet die Devise daher: sofort zum Tierarzt!

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Durchfallerkrankungen können bei Kaninchen und Meerschweinchen schon in kürzester Zeit zum Tod führen. Bei den ersten Anzeichen lautet die Devise daher: sofort zum Tierarzt!

Am besten sorgt man natürlich dafür, dass es gar nicht erst dazu kommt. Verdauungsstörungen treten bei Kaninchen und Meerschweinchen leider relativ häufig auf – meistens als Folge falscher Ernährung.

Grundsätzlich gilt: Das wichtigste Nahrungsmittel für Kaninchen und Meerschweinchen ist und bleibt langhalmiges, frisches Heu. Es sollte immer reichlich und täglich frisch angeboten werden. Gemüse, Obst und Trockenfutter hingegen sollten immer möglichst sparsam verfüttert werden. Einige Profi-Halter verzichten mittlerweile sogar ganz auf Trockenfertigfutter.

Eine ganz besondere Art der Verdauung

Es ist von Vorteil, die Besonderheiten des Magen-Darm-Traktes seines speziellen Vierbeiners zu kennen. Dadurch können weitere Ernährungsfehler vermieden werden.

Schon im Maul fangen die Besonderheiten an: Kaninchen und Meerschweinchen müssen ihre Nahrung grundsätzlich ordentlich zermahlen. Denn: Nur so reiben sich die Zähne gegeneinander ab. Dabei spielt langhalmiges, frisches Heu eine zentrale Rolle. Erfolgt kein gleichmäßiger Abrieb, weil übermäßig Mohrrüben, Snacks und Knabberstangen verfüttert werden, entstehen Zahnspitzen und -haken, die verhängnisvolle Maulentzündungen zur Folge haben können. Verweigert das Kaninchen oder Meerschweinchen daraufhin die Nahrung, sind lebensbedrohliche Verdauungsprobleme nur eine Frage der Zeit.

Was man auch unbedingt wissen sollte: Bei beiden Tierarten ist der Magen-Darm-Trakt relativ muskelarm. Das heißt: Der Weitertransport des Nahrungsbreis wird durch den Nachschub des neu aufgenommenen Futters gewährleistet. Bleibt der Nachschub an Nahrung aus, lassen schmerzhaften Gärungen im Magen oder Dünndarm nicht lange auf sich warten. Insgesamt haben Kaninchen und Meerschweinchen einen sehr langen Darmtrakt, der empfindlich auf Störungen reagiert.

Wichtig für die Verdauung von Meerschweinchen und Kaninchen ist übrigens auch der sogenannte „Blinddarmkot“, der von den Tieren gegessen wird. Er ist lebensnotwendig, weil die Vierbeiner dadurch besonders aufgespaltete Nährstoffe, B-Vitamine und Bakterien aufnehmen. Im Käfig ist er eher selten zu sehen, da er meist umgehend aufgemümmelt wird.

Blinddarmkot oder Durchfall?

Verbleibt der Blinddarmkot doch mal auf dem Käfigboden wird er von unerfahrenen Haltern gelegentlich mit Durchfall verwechselt. Schließlich unterscheidet er sich in seiner weichen Beschaffenheit von den runden, schwarzen Kotkügelchen eines Kaninchens und den harten, länglichen „Köddeln“ eines Meerschweinchens.

Einen handfesten „Dünnpfiff“ erkennt man aber recht schnell anhand eindeutiger Symptome: Das Fell um den After herum ist stark verschmutzt und verklebt. Durchfallkot riecht unangenehm bis übel und in vielen Fällen zeigt das Tier weitere Krankheitsanzeichen wie Appetitlosigkeit und Schwäche. Nun ist das rasche Handeln des Halters gefragt: Bei massivem Durchfall können der abrupte Stopp des Verdauungsvorgangs, aber auch der Flüssigkeitsverlust, schnell tödlich enden. Deswegen sollte man schon bei den ersten Anzeichen innerhalb der nächsten 24 Stunden immer sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen, um der brenzligen Lage schnell genug Herr oder Frau zu werden.

Ursachen für Durchfall

Ursachen gibt es so einige: Zu wenig oder zu kurzes Heu, eine spontane Futterumstellung, die Gabe von ungeeignetem, gespritztem, angeschimmeltem, ungewaschenem oder feuchten Futter können bei Kaninchen und Meerschweinchen zu Durchfällen führen. Als weitere Verursacher kommen darüber hinaus eine Reihe von bakteriellen Infektionen, Darmparasiten sowie Schimmel- und Hefepilze in Betracht. Auch bei besagten Zahnfehlstellungen, Maulentzündungen oder als Folge einer Antibiotika-Behandlung sind Durchfälle immer wieder zu beobachten.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Durchfall

Nach dem erfolgten Tierarzt-Besuch sollte man seinem kranken Kaninchen oder Meeri zuhause gutes, langhalmiges Heu rund um die Uhr zur Verfügung stellen. Während der Genesung können zusätzlich zu Heu-Pellets Zweige von Weiden oder Eichen angeboten werden. Das Trinkwasser kann wiederum mit Kamillentee, Fencheltee und mit Vitamintropfen angereichert werden. Auf die Gabe von Obst und Gemüse sollte man in dieser Zeit vorsichtshalber verzichten.

Verabreichen Sie Ihrem Kaninchen oder Meerschweinchen in Absprache mit dem Tierarzt zusätzlich gegen den Flüssigkeitsverlust und/oder für den Neu-Aufbau einer mit Milchsäurebakterien angereicherten Darmflora oral mit einer Plastikspritze „Lactogel“, „(Bird) Bene-Bac“ oder „Omniflora N“.

Achten Sie zudem auf absolute Hygiene: Die verschmutzte Afterregion muss umgehend mit einem warmen, feuchten Tuch gereinigt werden. Auch der Käfig muss gründlich geschrubbt und desinfiziert werden. Waschen Sie sich selbst nach jedem Kontakt mit Ihrem kranken Tier die Hände, da einige Durchfallerkrankungen auch auf den Menschen übertragen werden können.

Falls Sie mehrere Kaninchen oder Meerschweinchen in einem Käfig halten, muss das erkrankte Tier umgehend separiert werden, damit sich die anderen Fellnasen nicht auch noch etwas „einfangen“.

Wenn der allerschlimmste Fall eingetreten ist

Bei allzu starker Entkräftung kann als letztes Hilfsmittel eine Zusatzernährung, weniger schön ausgedrückt: eine Zwangsernährung, mit einer Plastikspritze sinnvoll sein. Diese sollte idealerweise mit einer Mischung aus aufgeweichten Heupellets, Elektrolyt-Lösung und bestenfalls mit aufgeweichtem Blinddarmkot (auch der von anderen Stallmitbewohnern!) gefüllt sein. Im Handel oder beim Tierarzt ist übrigens auch spezielle Notfall-Päppelnahrung für pflanzenfressende Säugetiere erhältlich, wie beispielsweise „Critical Care“ oder „Dental-Aid Herbi“.

Da Stress Kaninchen und Meerschweinchen wiederum massiv zusetzt, muss diese Maßnahme jedoch mit größtmöglicher Behutsamkeit durchgeführt werden und sollte ebenfalls nur in Absprache mit dem zuständigen Tierarzt erfolgen.

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