In manchem Kinderzimmer ist er obligatorisch: der Goldhamster. Klein, weich und niedlich erscheint er als optimales Haustier für Kinderhände. Doch der Schein trügt.

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In manchem Kinderzimmer ist er obligatorisch: der Goldhamster. Klein, weich und niedlich erscheint er als optimales Haustier für Kinderhände. Doch der Schein trügt.

Ein Knopfauge in einem kleinen Käfig mit Laufrad, Futternapf und Hamsterklo nimmt nicht viel Platz weg, kostet so wenig wie es Dreck macht und lässt Kinderherzen höher schlagen. Kein Wunder, dass Hamster ganz oben auf der Hitliste stehen, wenn sich der Sprössling ein Tierchen wünscht. Doch Hamster sind genauso anspruchsvoll wie Kinder. Und sehr eigen.

Klein, aber oho

Der größte Wermutstropfen ist, dass Hamster nachtaktiv sind. Gerade jüngere Kinder liegen bereits im Bett, wenn Hamsti sein „Tagwerk“ beginnt, zumeist mitten in der Nacht. In der Natur legen Hamster auf ihren winzigen Füßen zudem weite Strecken zurück, etwa bei der Nahrungssuche. Ihr Platz- und Laufbedarf ist entsprechend groß. Aus ist’s mit dem kleinen Käfig. Eigentlich muss eine ganze Anlage her, mit mehreren Ebenen, tiefen Buddelkästen, Röhren zum Durchkriechen, Hängebrücken, Schlafnestern, Futterverstecken und Klettergerüsten. Und das Ganze in permanenter Neu- und Umgestaltung, damit es auch nicht langweilig wird. Dennoch braucht ein Hamster regelmäßig Freilauf in der Wohnung. Ihn lediglich mit einem Laufrad für seinen enormen Bewegungsdrang abzuspeisen, schafft tatsächlich nur eines: „Laufrad-Sucht“. Für Hamster auf Dauer absolut ungesund. Für die Nachtruhe des Kindes ebenso.

Kuschelfaktor Null

Fast noch schlimmer für Kinder dürfte sein, dass Hamster zumeist als Einzelgänger leben und wenig Freude am Kuscheln und Spielen haben. Dafür besitzen sie starke Kiefermuskeln und scharfe Nagezähne. Beides lassen sie Kinder gern spüren, wenn diesen tagsüber zur besten Hamster-Schlafenszeit nach gemeinsamen Aktivitäten ist. Das niedliche Knopfauge mutiert so in der Wahrnehmung des Kindes schnell zum fiesen Attentäter. Gemocht wird der Hamster bis dahin oft schon gar nicht mehr. Mit allen negativen Konsequenzen, die sich daran anschließen können. Vom Tierheim bis hin zu Vernachlässigung und Tierquälerei.

Bedürfnisse abgleichen

Für Kinder, die sich ein „Kuscheltier“ wünschen, ein Tier zum Streicheln und Liebhaben, zum „Reden“ und Spielen, ist der Hamster wirklich ungeeignet. Denn ein Hamster wünscht sich selbst eben nicht, gekuschelt und lieb gehabt zu werden. Er will „sein Ding“ machen und in Ruhe gelassen werden. Nur ein Kind, dessen Bedürfnisse sich genau damit decken, kann mit einem Hamster glücklich werden. Das sind vorwiegend ältere Kinder, die abends länger aufbleiben dürfen und die vor allem lieber beobachten als schmusen. Kinder, die gern ihr handwerkliches Geschick austoben und dem Hamster Turngeräte und Abenteuerspielplätze basteln. Und die ihn eben nicht in der Hand halten müssen, um ihm zu zeigen, wie lieb sie ihn haben.

Tipps und Tricks für Kinder mit Hamster-Wunsch:

  • Prüfen, ob die Bedürfnisse des Hamsters womöglich zu denen eines älteren, verantwortungsbewussten Kindes passen
  • Wenn ja, für optimale Haltungs- und Beobachtungsbedingungen sorgen
  • Wenn nein, keinen Hamster kaufen

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