Es ist meist nur eine Frage der Zeit, bis Kinder unbedingt ein eigenes Haustier haben möchten. Doch was, wenn die Wahl ausgerechnet auf ein Reptil fällt?

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Die meisten Kinder sind wahre Tierfans. Und so ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis der Nachwuchs unbedingt ein eigenes Haustier haben möchte. Doch was, wenn die Wahl ausgerechnet auf ein Reptil fällt?

Das geschieht leicht, denn zum einen lieben Kinder Dinosaurier und sind entsprechend schnell von Tieren fasziniert, die ihnen ähneln. Zum anderen aber scheinen Schildkröten, Geckos, Bartagamen, Chamäleons und andere „prähistorisch“ anmutenden Geschöpfe auf den ersten Blick weder Dreck noch Arbeit zu machen. Das, was sie wahrscheinlich fressen, kann man sicher getrost auf der Wiese unten im Hof zusammensammeln, glaubt mancher. Eine griechische Landschildkröte hält praktischerweise sogar Winterschlaf. Zeit, in der man sich überhaupt nicht um sie kümmern muss. Na, wenn es denn mal so einfach wäre.

Ohne Moos nix los

Offen gesagt: Oftmals stehen Reptilien in Kinderhand schon zum Zeitpunkt der Anschaffung mit einem Bein im Grab. Unterschätzt werden häufig nicht nur Know-how und Arbeitseinsatz für die Pflege von Echse und Co. Mit dem Anschein der „Pflegeleichtigkeit“ ist oft auch die Vorstellung verbunden, Reptilien reiche zum Wohnen im Prinzip ein kleines Becken mit etwas Sand und einer Glühlampe darin.

Eine tiergerechte Pflege sieht jedoch anders aus: Reptilien benötigen je nach Art ein ganz spezielles Klima, das sich allein durch die entsprechende Technik im Terrarium realisieren lässt. Da müssen spezielle Heizstrahler her, dazu UV-Lampen und eine Zeitschaltung. Lüftung und Luftfeuchtigkeit müssen geregelt, der natürliche Lebensraum möglichst naturgetreu nachgestellt werden. Unterm Strich kostet das sehr viel Geld. Da können schnell  mehr als tausend Euro zusammenkommen – ein größeres Terrarium, Einrichtung, regelmäßig zu erneuernde Lampen und natürlich die gestiegene Stromrechnung eingerechnet. Auch wenn es absurd erscheint: Das nötige Equipment für die Reptilienhaltung ist häufig sehr viel teurer ist als die Tierchen selbst.

Und um der Vollständigkeit halber noch einmal auf die Ernährung zurückzukommen: Eine auf die Art perfekt abgestimmte Ernährung ist überlebenswichtig. Dazu muss man wissen, was das jeweilige Reptil in seiner Heimat so verzehrt und welche Vitamine und Mineralien wichtig sind, um Krankheiten vorzubeugen. Das heißt: Um Fachliteratur und den Rat erfahrener Halter kommt man insbesondere als Terraristik-Anfänger nicht herum.

Nichts zum Kuscheln

Wen weder der finanzielle noch der Pflegeaufwand schrecken, der sollte bei seinem Kind hinterfragen, was es sich von seinem Haustier wünscht, ehe er dem Wunsch nach einem Reptil nachgibt. Die allermeisten Kinder wünschen als Haustier einen Freund, suchen Nähe, Vertrautheit und jemand Kleines zum Liebhaben. Solche Kinder werden, selbst wenn die Rahmenbedingungen für das Tier selbst stimmen, nicht wirklich glücklich mit einem Reptil. Diese Tiere eignen sich eher zum Beobachten und überhaupt nicht zum Kuscheln, Herumtragen und Kunststückchen machen.

Außerdem sind Kinder mit der Pflege von Reptilien schnell überfordert, wenn sie die ganz allein übernehmen sollen. Reptilien können selbst Pubertisten noch über den Kopf wachsen. Nur wenn sich das Kind als echter Technik-Freak entpuppt, der wirklich und wahrhaftig „nur“ beobachten, bauen und forschen will, kann man über Reptilienhaltung nachdenken. Ein „Ja“ sollte im Sinne der Tiere am Ende aber nur dann stehen, wenn man auch als Elternteil bereit ist, sich diesem Hobby zu widmen.

Tipps und Tricks zur Reptilienhaltung in Kinderhand:

  • Beachten, dass Reptilienhaltung dauerhaft sehr teuer ist und dass gesunde Tiere sehr alt werden können
  • Reptilien sind keine „Kuscheltiere“
  • Sie eigenen sich allenfalls für Kinder, die technisch hochinteressiert sind, die Freude am Basteln und Bauen haben (Terrarieneinrichtung) und die die Tiere beobachten und studieren wollen. Dabei benötigen sie aber dennoch Hilfe und Unterstützung von fachkundigen Erwachsenen

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