„Die sind ja wie Katz und Hund“, sagt der Volksmund so schön.  Und ich selbst habe lange geglaubt, dass Stubentiger und Bellos nicht zueinanderpassen.

Bei einem befreundeten Ehepaar von mir ist das anders. Zu Hauskater Mogli kam vor einem halben Jahr Pudel Artus als Neuzugang hinzu und beide sind mittlerweile ein Herz und eine Seele. Sie schlafen sogar nebeneinander. Das ist schon erstaunlich, zumal es ja heißt, dass Hunde und Katzen schon in puncto Schwanzwedeln aneinander „vorbeireden“. Schwanzwedeln beim Hund bedeutet Aufregung oder Freude, bei Katzen eher Angriffsbereitschaft. Da scheint Ärger vorprogrammiert zu sein.

Meine Freunde haben sich deshalb vor Artus‘ Anschaffung bei einer Tierpsychologin informiert. Ihre Tipps: Die Katze muss von vornherein Ruhe- und Fluchtmöglichkeiten haben, an die der Hund nicht herankommt, zum Beispiel ein hoher Kratzbaum. Hilfreich ist auch, den Hund bei der ersten Begegnung anzuleinen, damit man ihn schnell im Griff hat. Und das alteingesessene Heimtier sollte in den ersten Tagen etwas bevorzugt behandelt werden, damit Eifersucht auf den Neuling gar nicht erst entsteht.

So wird der Grundstein für ein gutes Miteinander gelegt – vorausgesetzt, der Hund hat es nicht grundsätzlich auf Katzen abgesehen oder die Katze traumatische Erlebnisse mit Hunden. Bei Mogli und Artus war die Vorgehensweise ein voller Erfolg: Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel – manchmal allerdings mehr als Herrchen und Frauchen lieb ist. Das konnte ich neulich selbst beobachten.

Meine Freunde hatten abends ein paar Wurstschnittchen auf der Küchenanrichte zubereitet. Eine Nachbarin wollte noch zu Besuch kommen. Als es klingelte, gingen wir natürlich alle zur Begrüßung an die Haustür.

Diesen Moment nutzten Mogli und Artus, um die Brote zu plündern. Als wir alle in die Küche kamen, sprang Mogli von der Anrichte, Artus schnappte sich die letzte Wurstscheibe vom Boden und beide flüchteten ins Wohnzimmer. Immerhin: Auf den Tellern lagen noch angesabberte Brotkanten für uns. Und freundlicherweise hatten die beiden auch die Senfgürkchen- und Silberzwiebel-Deko auf dem nun leicht glitschigen Küchenboden für uns übrig gelassen.

Die Nachbarin hat sich erstaunlich früh an dem Abend verabschiedet. Jetzt, wo ich drüber nachdenke, fällt mir ein: Sie ist vor zwei Wochen in die nächste Kreisstadt umgezogen – angeblich aus rein beruflichen Gründen …

Kommen Sie entspannt durch die Woche.

Ihr Ralf Lindermann

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