Sie sind die wahrscheinlich geschwätzigsten Nager im Heimtierbereich: Meerschweinchen plappern, was das Zeug hält. Doch was bedeuten ihre Lautäußerungen?

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Sie sind die wahrscheinlich geschwätzigsten Nager im Heimtierbereich: Meerschweinchen plappern, was das Zeug hält. Doch was bedeuten ihre Lautäußerungen eigentlich?

Meerschweinchen zu belauschen ist mindestens so interessant wie ihnen bloß zuzusehen. Denn wer ganz genau lauscht, erkennt schnell, dass die kleinen Nager beinahe so etwas wie „Wörter“ haben, um sich zu unterhalten oder einander etwas mitzuteilen. Auch Wörter sind letztendlich nur Geräusche. Und Meerschweinchen kennen davon eine Menge.

Pfeifen und quieken

Es ist der Laut, der das Herz eines jeden Meeri-Halters hüpfen lässt, denn er erklingt bevorzugt auch dann, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt. Eine Begrüßung ist es dennoch nicht, auch wenn es sich so anhört. Der langgezogene, zum Ende hin ansteigende Ton bedeutet vielmehr so etwas wie „Achtung Leute, es kommt wer“ oder, wenn das Meerschweinchen gelernt hat, bestimmte Geräusche mit der Ankunft von Futter zu verbinden, „Ich bin hiiiier, also muss auch das Futter hiiiierher!“

Schrilles Qietschen oder schreien

Dieser Laut unterscheidet sich grundlegend vom Pfeifen oder Quieken, denn er steigt zum Ende hin nicht an, sondern ähnelt eher einem langgezogenen Schreien. Wem dabei gruselig zumute wird, liegt emotional gesehen ziemlich richtig, denn Meerschweinchen schreien tatsächlich nur, wenn sie große Angst haben. Da auch heftige Schmerzen die Tiere veranlassen können zu quietschen, kann die Konsultation eines Tierarztes ratsam sein. Am besten kommt dieser dann zum Meerschweinchen nach Hause.

Purren, tuckern, brommseln

Ein Laut, viele Steigerungsformen, könnte man sagen. Denn unter Meerschweinchenfreunden hat das Geräusch tatsächlich mehrere Namen. Meerschweinchenmänner lassen durch Purren, Tuckern oder Brommseln  erkennen, dass sie balzen, imponieren oder drohen. Es klingt ein bisschen wie ein kleiner Traktor oder ein Hubschrauber, aber nicht „tonlos“, sondern stimmlich unterlegt. Auch Meerschweinchen-Weibchen brommseln, wenn sie ihre Rangordnungen aushandeln oder sauer sind. Beim Schmusen mit dem menschlichen Besitzer lassen sie die Laute ebenfalls hören. Es wird dann häufig als eine Art Schnurren interpretiert, das vermeintlich Wohlbefinden signalisieren soll. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, denn das Meerschweinchen bringt nur zum Ausdruck, dass es total genervt ist. Das Tuckern kann dann immer lauter werden und sich bis zu einer Art Knattern steigern. Möglich ist auch, dass ein Schweinchen „urplötzlich“ zubeißt, wenn sich der Schmusemensch nicht zurückzieht.

Zirpen und zwitschern

Dieses Geräusch hört man sehr selten. Warum und wie Meerschweinchen es produzieren, ist noch ein Rätsel. Es klingt wie der Laut eines verzweifelten Vögelchens. Man vermutet, dass Meerschweinchen zirpen, wenn sie unsicher sind oder glauben, etwas sei nicht in Ordnung. Es ist empfehlenswert, nach dem Rechten zu sehen und alle Gruppenmitglieder auf Auffälligkeiten zu untersuchen. Es ist nämlich schon vorgekommen, dass Meerschweinchen zirpten, weil es einem Artgenossen nicht gut ging oder dieser sogar krank war.

Fiepen

Das Fiepen lassen junge Meerscheinchen hören, wenn sie sich einsam fühlen. Es ist ein sogenannter Verlassens- und Klagelaut. Er ist sehr leise, hoch und langgezogen. In der Gruppe gehaltene Meerschweinchenkinder, die lange genug bei der Mutter bleiben dürfen, äußern ihn in der Regel nicht.

Zähneklappern

Es klingt wie das sprichwörtliche „Säbelrasseln“, ganz leicht zischelnd und richtig gefährlich, so als würde das Meerschweinchen die Zähne wetzen. Wenn tuckern, purren und brommseln nicht mehr helfen, um das Gegenüber zu beeindrucken, kann Zähneklappern die letzte Warnung vor heftigen „Handgreiflichkeiten“ sein. Meerschweinchen klappern also mit den Zähnen, wenn sie sich echt zanken. Wer als Mensch „angeklappert“ wird, sollte schleunigst die Finger vom Schweinchen lassen und sich zurückziehen.

Zähneknirschen

Als Gründe fürs Zähneknirschen kommen einige in Betracht. Zum einen vermutet man, dass ein zähneknirschendes Meerschweinchen Futter kaut, welches es in den Backen an ein ruhiges Plätzchen mitgenommen hat. Manchmal kauen oder knirschen Meerschweinchen aber auch mit leerem Mäulchen. Oftmals stellt sich dann heraus, dass sie Schmerzen haben. Ein Meerschweinchen das häufig knirscht, sollte deshalb dem Tierarzt vorgestellt werden.

Flüster-Kreischen

Dieses Geräusch klingt wie eine Mischung aus singendem Brommseln mit Zähneklappern und bringt zum Ausdruck, dass sich ein Meerschweinchen massiv bedrängt fühlt, weil ihm ein anderes Tier oder auch ein Mensch allzu sehr auf die Pelle rückt. Fast könnte man es deshalb „schimpfen“ nennen.

Tipps und Tricks in Sachen Meerschweinchen-Kommunikation:

  • Nicht alles, was sich „lieb“ anhört, ist auch so gemeint
  • Zirpen, Zähneknirschen und Schreien unverzüglich auf den Grund gehen
  • Tuckern beziehungsweise Brommseln und Zähneklappern können Beißattacken ankündigen.

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