Meerschweinchen sind sehr senisbel. Gerade wenn sie schlechte Erfahrungen machen mussten, lassen sie einen das spüren. Doch zahm können sie trotzdem werden.

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Sie gehören zu den sensibelsten Tieren überhaupt. Gerade wenn Meerschweinchen schlechte Erfahrungen machen mussten, lassen sie einen das spüren. Zahm können sie trotzdem werden.

Manchmal ist es eine reizarme Aufzucht, manchmal Vernachlässigung, manchmal ein falscher Umgang früherer Besitzer, der Meerschweinchen hat scheu werden lassen. Statt Zutrauen zu gewinnen, flüchten solche Tiere auch nach einer Eingewöhnungszeit panisch bei jedem kleinen Geräusch, quietschen laut in Todesangst, wenn sie berührt werden oder erstarren förmlich zur Salzsäule. Oft nehmen sie auch Futter nicht an, das man ihnen hinhält. Mancher verzichtet in solchen Fällen einfach auf eine „Mensch-Meerschweinchen-Freundschaft“. Das ist jedoch nur scheinbar eine tiergerechte Lösung. Denn sie verhilft den Meerschweinchen nicht zu mehr Vertrauen gegenüber Zweibeinern. Das brauchen sie aber, um sich in oder trotz menschlicher Gesellschaft sicher zu fühlen. Und um im Fall der Fälle stressfrei Gesundheitskontrollen oder auch medizinische Behandlungen zu bewältigen.

Jedes Tier ist anders

Was wie eine Binsenweisheit erscheint, verbreitet Mut und Ernüchterung zugleich. Fakt ist: Scheue Meerschweinchen brauchen viel Zeit, um zahm zu werden. Ihre Besitzer sollten diesbezüglich statt in Wochen lieber in Zeiträumen von mehreren Monaten oder sogar Jahren denken. Dabei gibt es Meerschweinchen, die trotz schlimmster Erlebnisse am Ende doch noch handzahm werden. Und es gibt Tiere, bei denen das nicht vollständig klappt. Die Mühe, die sich ihre Besitzer mit ihnen geben, ist dennoch nicht umsonst. Denn jedes Quäntchen Vertrauen steigert die Lebensqualität der Tiere.

So kann scheu ganz zahm werden

Zunächst braucht der Käfig ängstlicher Meerschweinchen einen besonders ruhigen Standort, der jedoch nicht völlig von der Außenwelt abgeschnitten sein darf. „Publikumsverkehr“ ist wichtig, nur Trubel ist tabu. Wichtig sind Häuschen und Höhlen, in die sich die Tiere zurückziehen können. Hält man sich in der Nähe des Käfigs auf, füttert oder macht sauber, sollte man sich demonstrativ nicht für die Tiere interessieren. Die Meerschweinchen also keinesfalls berühren oder greifen und sie am besten auch gar nicht anschauen, außer aus der Entfernung. Zum Saubermachen um sie herum arbeiten, auch wenn das größere Schweinerei verursacht. Zeigen die Tiere keinerlei Fluchtverhalten mehr, kann die Zähmung beginnen.

Meerschweinchen handzahm machen

Heu und Wasser brauchen Meerschweinchen stets zur freien Verfügung und so viel wie sie davon wollen. Alles, was aber in irgendeiner Weise frisch und köstlich ist, kann und sollte aus der Menschenhand kommen. Zunächst langes Futter wählen, lange Löwenzahnblätter etwa, eine ganze schmale Möhre, Grashalme, Apfeläste etc. Ist der Abstand zur Hand groß, hat das Meerschweinchen weniger Hemmungen, am anderen Ende in die Leckereien hineinzubeißen. Es fällt ihm so auch viel leichter, seine Behaglichkeitsgrenze knabbernd zu überschreiten. Fressen sich die Meerschweinchen ein ums andere Mal ohne zu zögern bis direkt an die Hand des Menschen heran, können immer kürzere Leckereien und schließlich auch ganz kleine angeboten werden. Dass sie für kleines Futter ohne zu zögern ganz nah an die Hand herankommen, ist wichtig für das weitere Training. Denn nun werden die Tiere an Berührungen gewöhnt. Dazu kleine Futterstücken, zum Beispiel eine Apfelspalte, ein Möhrenscheibchen, einen Petersilienstrauß, mit Daumen und Mittelfinger festhalten, sodass sich der Zeigefinger frei bewegen kann. Während das Meerschweinchen knabbert, wird der Zeigefinger denn auch langsam auf und ab und hin und her bewegt. Reagiert das Tier darauf nicht (oder nicht mehr) darf sich der Finger zwischendurch auch immer mal auf das Meerschweinchen zu bewegen. Irgendwann berührt der Finger das Meerschweinchen dann wie zufällig an der Stirn, während es gerade vom Futter abbeißt. Im Laufe der Zeit dehnt man diese Berührungen auf alle erreichbaren Stellen aus: Nasenrücken, Ohren, Wangen. Reagiert das Meerschweinchen nicht (oder nicht mehr), und frisst es ganz ruhig weiter, kommt die zweite Hand zum Einsatz.

„Streicheltraining“

Zunächst wird das Meerschweinchen einfach nur daran gewöhnt, dass sich eine zweite Hand in der Nähe befindet, während die erste wie gewohnt füttert. Am besten tut man so, als hielten nun zwei Hände das Futter fest. Allerdings berührt nun nicht mehr der Zeigefinger der Fütterhand, sondern der der anderen. Im Laufe der Zeit beteiligen sich einer nach dem anderen auch die anderen Finger und wagen sich schließlich über die bisherigen „Streichelgrenzen“ am Kopf hinaus, streicheln und kraulen immer weiter nach hinten. Wichtig ist, dass die Berührungen immer am Kopf ansetzen und sich von dort „ausdehnen“. Toleriert das Meerschweinchen all das, kann das Futter während eines Streichlers erst ganz kurz und dann immer länger weggenommen werden. In Sachen Streicheln ist jedoch wichtig zu wissen, dass Meerschweinchen von Natur aus zwar gesellig sind, engen Körperkontakt aber oft nicht sonderlich schätzen. Manche Meerschweinchen lernen Streicheleinheiten dennoch zu genießen. Selbstverständlich ist das jedoch nicht, weshalb man diesbezüglich keine allzu hohen Erwartungen hegen sollte.

Hochnehmen

Meerschweinchen hochzunehmen ist heikel und kann gefasstes Vertrauen zerstören. Ehe man mit einem entsprechenden Training beginnt, muss das jeweilige Tier handzahm sein, das heißt es muss sich möglichst auch ohne Futter bereitwillig überall berühren lassen. Während das Tierchen frisst, wandern die Hände des Menschen nun immer an die Stellen, die beim Hochnehmen auf den Händen aufliegen: Bauch und Po. Anfangs wird das Meerschweinchen dann immer nur kurz „gelupft“, also nur ganz leicht hochgehoben und gleich wieder abgesetzt. Hat es sich daran gewöhnt, darf es auf den Schoß „fliegen“ oder in den Freilauf.

Wichtig

Im gesamten Trainingszeitraum sollten Meerschweinchen von der oder den Trainingspersonen keine „Unannehmlichkeiten“ erfahren. Im Bedarfsfall sollte der Tierarzt nach Hause kommen und alleine „böse“ zu den Tieren sein. Um Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge wie Po-Kontrolle oder Krallenschneiden am besten Meerschwein-kompetente Freunde oder Bekannte bitten. Überhaupt nicht ratsam ist, ängstliche Meerschweinchen einfach allem auszusetzen. Das Motto „sie werden schon merken, dass sie keine Angst haben müssen“, geht in der Regel nach hinten los oder führt zu erlernter Hilflosigkeit. Dann lässt ein Meerschweinchen zwar alles mit sich machen. Es steht dabei aber psychische Höllenqualen aus. Und das ist tierschutzrelevant.

Tipps und Tricks, um das Herz eines scheuen Meerschweinchen zu erobern:

  • Geduld haben
  • Anforderungen langsam steigern
  • Nichts erzwingen

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