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Wild lebende Ratten genießen seit Menschengedenken nicht wirklich einen guten Ruf. Da sieht es bei Zuchtratten schon anders aus: Sie begeistern ihre Halter durch ihr putziges Verhalten und können sogar recht anhänglich werden.

Auch wenn das Verhältnis auf beiden Seiten bis heute mehr als angespannt ist: Den sesshaft gewordenen Menschen „begleiten“ Wanderraten sowie Hausratten schon ewig. Der Grund: Unsere Essensreste und wärmeren Siedlungen sind für sie seit Jahr und Tag eine unheimlich praktische Angelegenheit. Schließlich steht das 5-Gänge-Menü besonders in Großstädten nahezu servierfertig vor der Tür parat. Ebenfalls prima: Für ein Dach über dem Kopf ist entweder in Häusern selbst oder in der menschlichen Kanalisation auch gleich noch gesorgt. Nicht nur diese „Gepflogenheiten“ sorgten aber dafür, dass sich Ratten bei Menschen nicht wirklich viele Freunde gemacht haben.

Völlig anders als die wilden Vertreter von draußen, hat die Heimtier-Variante in Form von Farb- und Albinoratten dafür eine richtig treue Fangemeinde: Die kecken Fellnasen bauen bei umsichtiger Pflege und Geduld zu ihren Haltern nicht nur ein inniges Verhältnis auf, sondern überzeugen auch durch ihr neugieriges, intelligentes Wesen.

Steckbrief in Kürze

In der Natur leben Ratten in Rudeln und sollten daher unbedingt in Gesellschaft gehalten werden. Denn: Besonders angesagt bei den pfiffigen Nagern ist die gegenseitige Körperpflege unter Artgenossen und sie kuscheln sich gerne aneinander. An und für sich sind Ratten dämmerungs- und nachtaktiv. Sie haben als Heimtiere aber auch stundenweise ihre tagaktiven Phasen und passen sich durchaus an den Rhythmus des Halters an.

Freunde des Lifestyles

Ratten benötigen einen geräumigen Käfig, der genug Raum für Schlafhäuschen und Klettermöglichkeiten bietet. Sie sind nicht nur Kletterkünstler, sondern auch wahre Eroberer. Daher lassen spannende Schlupfröhren, Hängematten zum gemütlichen Faulenzen, Seile, Leitern und Liegebretter in verschiedenen Ebenen die Herzen der Vierbeiner schnell höher schlagen.

Zur festen Ausstattung gehören stabile Fressnäpfe und Nippeltränken. Natürlich kann man auch einen Wassernapf anbieten. Allerdings planen die munteren Gesellen in ensprechenden Bassins gerne mal ein spontanes Plansch-Bad ein. Von Laufrädern sollte übrigens völlig abgesehen werden. Mit ihren langen, schuppigen Schwänzen können sich Ratten schnell daran verletzen.

Entgegen landläufiger Vorurteile sind Ratten sehr reinliche Tiere. In der Regel suchen sie sich im passend großen Käfig ihre Kloecke aus. Es lohnt sich, eine Schale mit nichtstaubenden Stroh- oder Holzpellets bereitzustellen.

Was die allgemeine Einstreu anbelangt, haben die Nager höchste Ansprüche. So robust Ratten in der Natur rüberkommen mögen: Ratten vertragen keine staubige Streu. Die allseits erhältliche Holzspäne-Streu verschlägt so mancher Ratte glatt den Atem, auch Katzenstreu ist nicht ohne.

Als Auslage für den Käfig kann man also Küchenkrepp-Papier verwenden, das von den umtriebigen Kerlchen aber schon mal in feine Streifen gerupft und dann als waghalsig-wackeliger Turm-Unterbau für das Schlafhäuschen verwendet wird. Und eine Augenweide für den Halter ist es auch nicht gerade. Tipp: Nehmen Sie Bio-Hanffaser-Streu – es ist gut verträglich und sieht auch optisch schöner aus.

Von wahren Gourmets

Ratten sind alles andere als „Müllschlucker“, sondern ausgesprochen wählerische Leckermäulchen. Kein Wunder, dass in dem Oscar-prämierten Animations-Film „Ratatouille“ ausgerechnet die Ratte „Rémy“ den bärbeißigen Restaurantkritiker „Anton Ego“ letztendlich von ihren Fähigkeiten als Meister-Koch überzeugt.

Auf dem exquisiten Speiseplan der putzigen Gourmets stehen ganz oben Getreidemischungen, frisches, säurearmes Obst wie Apfel, Birne, Melone und Weintrauben ohne Kerne sowie Gemüse wie Karotten, Paprika, Gurke, Chicoree und ungespritzter Salat. Gelegentlich können auch mal ein bisschen gekochte Kartoffel oder Nudeln verfüttert werden. Ratten freuen sich auch über den ein oder anderen proteinhaltigen Snack wie ein Stückchen hart gekochtes Ei, Käse oder fettfrei gegartes, mageres Fleisch. Allerdings sollte man mit derlei Beigaben sehr sparsam umgehen, da Ratten durch übermäßige Zufuhr von fleischlichem Eiweiß sonst krank werden.

Als weiteres Leckerchen für Zwischendurch stoßen Nüsse und Sonnenblumenkerne auf große Begeisterung, die ebenfalls ganz manierlich, nämlich zwischen den zwei Pfötchen gehalten, in nahezu meditativer Versenkung verspeist werden. Kohl sollte wegen seiner blähenden Wirkung gar nicht verfüttert werden.

Wie alle Nagetiere benötigen Ratten ständig Nagematerial. Um einen gleichmäßigen Abrieb ihrer Zähne zu garantieren, sollten Halter deswegen parallel zu den Mahlzeiten unbehandelte Hölzer und Zweige reichen, hin und wieder einen harten Brotkanten. Und: Wechseln Sie täglich das Trinkwasser aus.

Freilauf gegen Frust und Moppelalarm

Gutes Essen, hin oder her – mit reiner Käfighaltung werden die Vierbeiner kaum glücklich und zudem auch noch moppelig. Ein täglicher Freigang von mindestens einer Stunde sei ihnen gegönnt. Achten Sie aber darauf, dass die knabberfreudige Ausflugsgruppe nicht hinterrücks eine Schneise in das Sofa fräst oder als selbst ernannter Elektrikerdienst sämtliche Stromkabel in der Wohnung lahmlegt. Übrigens sollten auch die Fenster beim Freigang verschlossen sein

Ein absolutes Tabu ist: Ratten am Schwanz hochzuheben. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass derlei Aktionen den Tieren unnötige Schmerzen bereiten. Daher immer unter den Bauch fassen und vorsichtig hochheben und die andere Hand schützend über Hinterteil und den Rücken legen, um unliebsame Abstürze zu vermeiden.

Haben die Tiere erst Vertrauen gefasst, sind die Fellnasen auch Kuscheleinheiten durchaus gewogen. So manche Ratte schlummert gar selig im Schoß des Halters ein.

Einziger Wehrmutstropfen: Anders als ihre frei lebenden Kumpel werden Zuchtratten nur zwei bis drei Jahre alt. Da mag eine Einkreuzung durch wilde Hausratten auf den ersten Blick ein Weg aus dem Dilemma sein, weil man ihnen nachsagt ein Alter von sechs bis sieben Jahren zu erreichen. Aber: Nachkömmlinge solcher Züchtungen wie auch Wildratten-Findelkinder selbst werden – nicht zuletzt dank jahrhunderterlanger schlechter Erfahrung mit dem Menschen – nie richtig zahm und sind sehr furchtsam, zuweilen beißen sie auch beherzt zu. Sie eignen sich deswegen nur für erfahrene Halter, die sehr viel Zeit mitbringen.

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