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Was man über Tierkaufverträge wissen sollte

Tierkaufverträge müssen nicht notwendigerweise schriftlich geschlossen werden. Empfehlenswert ist das dennoch allemal. Denn folgenreiche Fallstricke gibt es viele.

Und wenn man da strauchelt, ärgert man sich im Nachhinein schwarz. Vor allem, wenn nicht eingeplante Kosten explodieren oder man das Tier vorübergehend wieder herausrücken muss. Das passiert bei der sogenannten „Zuchtmiete“: Hier behält sich der Züchter vertraglich das Recht vor, ein verkauftes weibliches Tier ein oder mehrere Male „zurückzuborgen“, um es decken und Nachwuchs aufziehen zu lassen. Eine Praxis, die unter vielen Züchtern mittlerweile verpönt ist, für andere aber noch immer eine Selbstverständlichkeit darstellt. Wer eine solche Klausel in seinem Vertrag findet, sollte auf deren Streichung bestehen. Und wenn der Züchter nicht einlenkt, sollte man seinen tierischen Kumpel lieber aus einer anderen Zucht beziehen.

Alles Hobby oder was?

Großes Thema in fast allen Tierkaufverträgen ist der Haftungsausschluss. Damit versuchen Züchter zu verhindern, dass sie später zur Verantwortung gezogen werden, wenn sich herausstellt, dass mit dem verkauften Tier irgendetwas nicht stimmt. Es beispielsweise wegen falscher Aufzucht gestört ist, eine Erbkrankheit hat oder Mängel aufweist, die der Züchter verschwiegen hat. Schwierig kann hier sein, nachzuweisen, dass der Züchter zum Zeitpunkt des Tierverkaufs von den Mängeln wusste. Anwälte klammern sich hier oft an den § 90a des Bürgerlichen Gesetzbuchs und das reine Sachenrecht. Das besagt, dass die Haftung des Züchters ausgeschlossen ist, wenn er tatsächlich nichts wusste. Es gibt jedoch Fälle, in denen der Züchter um die Mängel hätte wissen können und müssen. Wenn er beispielsweise durch Gentests bei den Elterntieren von der Erbkrankheit hätte erfahren können. Oder wenn er mit dem vorauszusetzenden züchterischen Sachverstand einen Nabel- oder Leistenbruch, einen Seh- oder Hörfehler oder eine Zahnfehlstellung hätte erkennen müssen. In vielen Fällen schränkt das Tierschutzgesetz die Anwendung des Sachenrechts auf Tiere ein und macht Haftungsausschlüsse damit nichtig. Haftungsausschlüsse sind also nicht immer wirksam. Das gilt auch für sogenannte „Formularverträge“. Das sind Verträge, die beispielsweise mit verschiedenen Käufern über verschiedene Welpen abgeschlossen werden, die aber inhaltlich alle gleich sind. Auch in Formularverträgen sind Haftungsausschlüsse nicht zulässig. Zuweilen versuchen sich Tierverkäufer aus der Verantwortung zu ziehen, indem sie behaupten, gar keine Züchter zu sein, sondern ein Hobby zu betreiben. Derlei „Vermehrer“ meinen oft sogar, dass das Tierschutzgesetz deshalb nicht für sie gelte. Ausnahmen werden hier jedoch nur dann zugelassen, wenn der vorhandene Nachwuchs der bislang einzige war und auf einem echten, ehrlichen und wirklich ungewollten „Unfall“ beruht.

Verbotene „Pflichten“

Legitim ist es, wenn Züchter vor allem junge Tiere ohne Garantien verkaufen. So kann eine kleine Katze einmal erfolgreich in Ausstellungen präsentiert oder in der Zucht eingesetzt werden, muss aber nicht. Auch bestimmte spätere Leistungen – bei Hunden etwa im Schafehüten, Agility oder Hundesport – kann ein Züchter nicht versprechen. Ein guter Tierkaufvertrag muss den Verkäufer nicht im Übermaß verpflichten, Verantwortung zu übernehmen. Und: Er darf auch manches vom Tierkäufer fordern. Zum Beispiel, das Tier artgerecht zu halten und zu versorgen oder dem Züchter ein Vorkaufsrecht einzuräumen, sollten unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheit oder Tod die weitere Tierhaltung unmöglich machen. Kritisch sind jedoch Klauseln, die über Gebühr in das Eigentumsrecht des Tierkäufers eingreifen. Zum Beispiel eine Klausel, die die Weiterzucht mit dem verkauften Tier außerhalb eines bestimmten Zuchtverbandes verbietet. Wer das Tierschutzgesetz beachtet und mit Herz und Sachverstand an die Zucht herangeht, muss nicht unbedingt Vereinsmitglied sein, um ein seriöser Züchter zu werden. Unzulässig sind auch Klauseln, die eine spätere Kastration des Tieres verlangen. Nur weil es im Kaufvertrag steht, braucht niemand seine Katze oder seinen Hund kastrieren zu lassen. Kastration ohne Grund ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, entsprechende Vertragsklauseln gelten daher als sittenwidrig. Im Prinzip kann man sie unterschreiben und dann vergessen. Wenn man sein Tier dann nicht doch lieber woanders kaufen möchte.

Tipps und Tricks in Sachen Tierkauf und Tierkaufverträge:

  • Nicht alles hinnehmen, was im Vertrag steht
  • Haftungsausschlüsse hinterfragen
  • Anzahl der bisherigen Würfe des Züchters in den Vertrag aufnehmen lassen, vor allem bei vermeintlichen „Hobbyzüchtern“, die auf verfügbare Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere verzichtet haben
  • Vor dem Kauf auf einer tierärztlichen Untersuchung des Tieres bestehen, wenn eine solche noch nicht stattgefunden hat

 

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