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Wellensittiche durch Futterentzug gefügig machen oder Hunde bei Fehlverhalten aussperren – was nach tiefstem Mittelalter klingt, wird noch von so manchem Halter praktiziert. Derlei „Strategien“ haben vor allem eines zur Folge: Das Tier vertraut einem nicht mehr.

Bei sachkundiger Haltung ist ein Haustier ein wahres Lebenselixier. Viele Tierhalter sprechen oft noch Jahre später mit leuchtenden Augen über all die berührenden oder lustigen Momente, die ihnen der tierische Mitbewohner so beschert.

Um sich aber vorwiegend den schönen Momenten in der Tierhaltung widmen zu können, lautet die Zauberformel beim Thema Erziehung: Informationen über die Gepflogenheiten der jeweiligen Tierart einholen. Und ganz wichtig: Vertrauen aufbauen.

Klassische Probleme in der Tierhaltung

Natürlich tauchen bei der Tierhaltung immer wieder Probleme auf. Viele darunter sind wahre Klassiker, die jeder Halter kennt: Die Katze kratzt am möglichst teuren Designersofa, der Hund zerrt wie ein Bulldozer an der Leine oder das Kaninchen hat sich beim Freigang erst mal sämtliche Kabel in der Wohnung zur Brust genommen.

Auf die harte Tour

Dementsprechend kursieren immer wieder härtere Tipps, um die tierischen Mitbewohner auf Vordermann zu bringen. Da wird die vermeintliche Zahmheit eines Wellensittichs durch Futterentzug erzwungen. Manch entnervter Halter sperrt seinen Hund zur Strafe aus oder zieht ihm ein Würgehalsband für eine bessere Leinenführigkeit an. Und einige Katzen bekommen ein unvergessliches Toilettentraining verpasst: Sie werden bei Unsauberkeit mit der Nase in ihren Urin gestupst.

Was bedeuten solche Maßnahmen eigentlich für die Tiere selbst?

Zum Thema zahme Wellensittiche erklärt Tierarzt Dr. Dirk Mauch: „Das Zähmen ist ein Ausdruck dafür, dass man ein Vertrauensverhältnis mit dem Tier aufbaut. Dieses Verhältnis wird dadurch umgesetzt, dass der Vogel merkt, er bekommt etwas Gutes und muss nicht unsicher sein. Zieht man das Futter weg, gerät der Vogel in Panik und wird eher scheu sein.“

Kleiner Tipp: Wellensittiche werden auch ohne Futterentzug zumindest futterzahm. Einfach nur einen besonders leckeren Snack aus der Hand anbieten. Bei ausreichender Geduld und Ruhe des Halters holen sich die Mini-Papageien bald von sich aus  ihren „Preis“ ab – und zwar freiwillig.

Einen Hund wiederum zur Strafe auszusperren und damit aus der Familie auszuschließen, kommt bei den Rudeltieren einer absoluten Katastrophe gleich.

Was Würgehalsbänder anbelangt: Da gibt es wesentlich angenehmere und nachhaltigere Methoden für Tier und Halter, dem Hund einen manierlichen Gassigang beizubiegen. Lernen kann man das in guten Hundeschulen.

In puncto Sauberkeit bei der Katze ist häufig das richtige Klosett samt Streu sowie der geeignete Standort gefragt. Und kleine Kätzchen begreifen durchaus schnell, wo das Klo ist, wenn man sie in regelmäßiger Wiederholung sanft in die Toilette setzt – auch wenn mal was danebengegangen ist.

Was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu?

In der Verhaltensforschung ist es längst ein alter Hut, dass Tiere durch wiederholte Bestrafungen vor allem eines machen: noch mehr Fehler, nämlich aus Angst und Stress.

Dementsprechend mündet eine Erziehung, in der auf Entzug und Strafen gesetzt wird, schnell in einer Endlos-Schlaufe aus weiteren Misserfolgen. Und so ganz nebenbei verspielt man das ganze Zutrauen seines tierischen Gegenübers – was auf beiden Seiten langfristig für Frust sorgt.

Bei Problemen: Profis fragen und die „richtigen Knöpfe drücken“

Um Haustiere ganz allgemein möglichst problemlos zu erziehen, gibt es einen ganz einfachen Trick. Man muss als Halter schlichtweg die „richtigen Knöpfe drücken“. Das heißt: Korrektes Verhalten und Lernerfolge seines Vierbeiners bestätigen und belohnen.

Dabei spielt der richtige Zeitpunkt eine große Rolle. Ein Tier lernt nur, wenn die Zeitspanne zwischen erwünschtem Verhalten und der verabreichten Belohnung möglichst klein gehalten wird – und damit für das Tier auch nachvollziehbar ist.

Bei handfesten Problemen mit dem Vierbeiner empfiehlt sich grundsätzlich der Gang zum Profi. Das kann der behandelnde Tierarzt sein oder aber ein Verhaltenstherapeut oder -trainer für Hunde und Katzen. Bei Kleintieren, Vögeln & Co. hilft oftmals auch ein Telefonat mit einem Züchter oder eine gezielte Frage in einer entsprechenden Internet-Community.

 

6 Kommentare

  • Im Bösen geht z, Bsp. bei unserem jungen Kater gar nichts, er springt und nämlich immer an und beisst in den Arm.
    Bestrafen würden wir ihn nicht dafür, es ist ein Tier, das es nicht verstehen würde

  • Kaninchen und Kabel kann ich ein lied von singen. Wie kann ich meinem Kaniggel das bloß abgewöhnen, da immer dran zu gehen. Mit Clicker wie bei Hunden?

  • Erziehung ist nicht leicht, ich war mit Benny in einer Hundeschule. Er hat so ziemlich alle angebellt, die ihm über den Weg laufen. Manchmal wufft er noch rum, kann mit anderen Hunden jetzt aber schon ganz gut. Wir üben erst mal weiter.

  • Nö, mit Strafen kommt man nicht wirklich weiter. Das Foto zum Artikel sagt eigentlich schon alles.

  • Versucht mal. einen Mops zu irgendwas zu zwingen. Macht der einfach nicht. Oder man hat es komplett bei ihm verscherzt.

  • Die Lern-Methoden haben sich ja nun mittlerweile grundlegend verändert. Aber leider gibt es noch genügend Hundehalter, die gleich null etwas über Hundeverhalten wissen. Ei, ich habe mir ein Buch gekauft, hört man öfter.
    Aber mit reiner Theorie kommt man in der Praxis nicht immer positiv weiter. Viele scheuen noch immer, einmal eine Gute Hundeschule zu besuchen, auch aus finanziellen Gründen, um etwas über Hunde zu lernen. Aber ich bin der Meinung, jeder Hund hat ein Recht auf Artgerechte Erziehung, schließlich ist ein Hund ein Lebewesen und kein Tennisschläger, den man in die Ecke werfen kann, wenn man mal gerade null Bock hat.
    Hat man mal verstanden, wie ein Hund im Kopf tickt, versteht man auch, warum nichts klappt und der Hund nicht will, wie wir wollen. Denn Fehlverhalten bei Hunden wird immer durch falsche Handhabung des Halters ausgelöst. Ignoranz bringt da nichts, denn man sollte daran denken, dass ein Hund, wenn er gesund bleibt, 12-14 Jahre alt werden kann. Und so lange Stress wegen Fehlverhalten ? Für Hund und Halter !!! Manche geben Ihre Hunde sogar ab, weil Sie nicht mehr mit Ihnen klarkommen, anstatt sich professionelle Hilfe ZU LEISTEN. Ich selbst habe Cheyenne aus 3. Hand übernommen, weil mit jedem Führerwechsel vor mir Ihre Leinenaggression, Jagdpassion und Kontrollverlust beim alleine bleiben, nicht besser wurde.
    Strafen sind out – den Hund lesen können – in

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