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Wenn Tiere zu „Scheidungskindern“ werden

Streiten sich zwei, freut sich der Dritte, heißt es. Doch das kommt darauf an. Denn: Lassen sich Herrchen und Frauchen scheiden, sind die Bedürfnisse des Tieres zweitrangig.

Den Grund dafür liefert das umstrittene Gesetz, dass Tiere zwar keine Sachen seien, aber dennoch wie Sachen behandelt werden sollen. Deshalb gehören Hunde, Katzen und andere Heimtiere zum Hausrat. Und das kann einige Probleme aufwerfen, wenn sich Ehepaare scheiden lassen. Das hat schon mehrfach Ex-Tierhalter vor die Gerichte getrieben. Zuletzt eine Frau aus Nordrhein-Westfalen.

Streit um Umgangsrecht

Zwei Jahre vor ihrer Trennung hatten sich die Eheleute einen Hund angeschafft. Als es zum Bruch kam, einigten sie sich darauf, dass Bello bei Herrchen bleiben sollte. Trotzdem wollte Frauchen weiter Kontakt zu der Fellnase. Sie bat ihren Ex, den Hund zweimal die Woche für einige Stunden zu sich holen zu dürfen. Herrchen fand das gar nicht gut und weigerte sich, Bello herauszugeben. Das streitbare Frauchen ließ sich davon nicht abschrecken und reichte Klage ein.

Tiere sind keine Kinder

Die Richter entschieden zugunsten des Herrchens. Da der Hund dem Hausrat zugeordnet wurde, galt auch für ihn: Hausratsgegenstände werden aufgeteilt, um sie nicht neu kaufen zu müssen. Die Richter unterstellten Frauchen zugleich, dass sie den Vierbeiner nur benutzen wollte, um stundenweise eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Darin liegt übrigens der Unterschied zum Umgangsrecht mit Scheidungskindern. Hier erhält der getrennt lebende Elternteil ein Umgangsrecht, um Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Welchen Nutzen das Elternteil daraus zieht, spielt hingegen keine Rolle.

Eine Frage des Herzens

Die Entscheidung ist exemplarisch für viele ähnliche Urteile. Dennoch gibt es Ausnahmen, wie aus einem schon etwas älteren Urteil des Amtsgerichts Bad Mergentheim hervorgeht. Hier wurde dem Ex-Ehemann ein Umgangsrecht gewährt, nachdem ein Tierpsychologe hinzugezogen worden war. Der attestierte, dass es für den Hund positiv sei, wenn er weiter Kontakt zu Herrchen habe. Gerichte können Tiere also wie Sachen behandeln, sie müssen aber nicht. Gleiches gilt, wenn grundsätzlich darum gestritten wird, bei wem ein Vierbeiner nach der Trennung bleiben soll. Es kann sein, dass derjenige „gewinnt“, der Hund, Katze oder den Papagei gekauft, die Hundesteuer, den Tierarzt und sonstigen Unterhalt bezahlt hat. Wenn sich der andere aber vorrangig um das Tier kümmerte, finanziell genauso für es sorgen kann und vielleicht auch noch die vom Tier bevorzugte Bindungsperson ist, kann das Ganze anders ausgehen. Wie ein Gericht entscheidet, ist in solchen Fällen nicht vorhersagbar, weil jeder Richter nach eigenem Ermessen und individuellen Werten und Ansichten entscheiden darf. Er ist zudem nicht verpflichtet, Sachverständige zur Situation des Tieres zu befragen. Eine Ausnahme gilt nur in Bezug auf tierschutzrechtliche Belange.

Ausweg „Ehevertrag“

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Hunde und andere Haustiere in einen Ehevertrag einbeziehen. Oder schon zu „Friedenszeiten“ Vereinbarungen zum Verbleib des Tieres und gegenseitigem Umgangsrecht nach einer Scheidung oder Trennung treffen. Dergleichen wird auch als „Trennungsfolgenvereinbarung“ bezeichnet. Am besten lässt man eine solche beim Notar aufsetzen und beglaubigen. Dann ist der Partner daran gebunden, auch wenn das Gesetz selbst kein Umgangsrecht vorsieht. Das gilt für Ehepaare ebenso wie für „wilde Ehen“.

Urteile:

 

Tipps und Tricks zu „Scheidungstieren“:

 

  • Es gibt kein grundsätzliches Umgangsrecht für den vom Tier getrennten Partner
  • Sicherheit schaffen allein individuelle und schon zu „Friedenszeiten“ getroffene, private Vereinbarungen

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