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Was die einen freut, sehen die anderen mit Argwohn: Wölfe, die nach Deutschland einwandern. Wer den scheuen Isegrim aber mal live in der freien Natur sehen möchte, hat schlechte Karten.

Die Chance, im Lotto zu gewinnen, ist um einiges größer als die, in Deutschland einem Wolf zu begegnen. Zwar haben sich in Sachsen und Brandenburg einige kleine Rudel etabliert. Die übrigen Bundesländer erkunden bislang aber nur einzelne Tiere.

Und Wölfe sind scheu. Dennoch gibt es Leute, die entspannten Bürgern Angst einreden wollen. Jene Jäger zum Beispiel, die Wildbret lieber zu Geld machen, als es mit einem Graupelz zu teilen. Oder Bauern, die noch nie über Herdenschutzhunde nachgedacht haben.

Wo der Verdacht hinfällt

Wenn schon nicht in Deutschland, dann vielleicht im Urlaub? Skandinavien könnte fürs „Wolf-Watching“ geeignet sein. Soll doch Anfang 2011 eine schwedische Mutter mit Baby und Hund sogar von zwei Wölfen angefallen worden sein. Resultat: Hund gefressen, Baby beinahe auch.

Eigenartig nur, dass die Gegend von Wolfsfreunden nicht gerade wimmelt und dass auch niemand kritische Fragen stellte. Was, wenn streunende Hunde die Übeltäter waren? Vor allem Schäferhunde, Schlittenhunde, Elchhunde oder Saarlooswolfhunde können Wölfen durchaus ähneln. Vielleicht hätte Isegrim ohne die Mär vom Rotkäppchen mehr Freunde. Denn eigentlich ist der Wolf im Wald nicht anders als der Delphin im Meer. Nur, dass dem „lächelnden“ Glückspilz im Wasser eben kein Märchen à la „Badekäppchen und der böse Delphin“ anhaftet.

Wenn Isegrim „Hallöchen“ sagt

Um Wölfe wirklich hautnah zu erleben, muss man sich in Wildparks begeben. Und wenn nun doch einmal einer just auf dem Waldweg steht? „Ort und Uhrzeit notieren und beobachten, wie der Wolf aussieht und was er macht, und die Daten an den NABU weiterleiten“, bittet Markus Bathen vom Naturschutzbund Deutschland. „Gefahr geht nur von Wölfen aus, die angefüttert werden oder Tollwut haben, und die Tollwut ist in Deutschland ausgerottet. Am besten verhält man sich also auch gegenüber einem Wolf so, wie gegenüber jedem anderen Wildtier: Nur gucken, nicht streicheln!“ Der NABU hat einen Aktionsplan entwickelt, um die Rückkehr des Wolfes bundesweit zu begleiten und zu unterstützen.

Wer mag, kann im Rahmen unterschiedlichster Aktionen sogar Wolfspate oder Wolfsbotschafter werden. „Wenn wirklich ein Wolf gesichtet wird, ist für uns jedes kleine Detail bedeutungsvoll. Denn nur so gelingt es uns, Daten zu sammeln und die Menschen für einen bewussten Umgang mit dem Tier zu sensibilisieren. Isegrim ist weder ein mythisches Überwesen noch eine bedrohliche Bestie. Er ist nur ein Beutegreifer. Einer, dem ein Platz in unserer freien Natur durchaus wieder zugestanden werden kann“, so der NABU-Wolfsexperte.

Intakte Natur profitiert vom Wolf

Wie wichtig der Wolf für ein intaktes ökologisches Gleichgewicht ist, haben Wissenschaftler in den USA nach der Wiederansiedelung von Wölfen in Nationalparks beobachtet. Wölfe bevorzugen Beutetiere, die schwach und krank sind. Auf diese Weise halten sie die Beutetier-Populationen auf einem gesünderen Niveau.

Wölfe betreiben also genau das, was sich auch verantwortungsvolle Jäger auf die Fahnen schreiben: Sie hegen das Wild und entnehmen dem Wald nicht nur die Stücken mit den größten Trophäen. Menschen und Wölfe könnten also eigentlich Hand in Hand arbeiten. Und eine uralte Partnerschaft wieder aufleben lassen.

Link-Tipps:

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich intensiver mit dem Wolf zu beschäftigen, kann sich auf einen Streifzug über die NABU-Wolfshomepage begeben.

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Ein Kommentar

  • Ich freu mich, dass der Wolf wieder in Deutschland mehr heimisch wird – schade ist nur, dass Medien und Gegner den Wolf grundsätzlich z. B. mit Zähne-fletschenden Gestiken zeigen, dazu am Besten noch ein Stück blutiges Fleisch, so dass die Ängste geschnürt werden – es sollte viel viel öfter, auch gerade in öffentlichen Medien solche Berichte stehen, die wirklich aufklären

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