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Die Pfoten einer Katze haben clevere Eigenschaften, mit denen es sich optimal laufen und abbremsen lässt. Das brachte Reifenhersteller auf die Idee, einen speziellen Reifen zu entwickeln.

Auf den ersten Blick sieht man einer Katzenpfote gar nicht an, dass sie zu den vielen Wunderwerken der Tierwelt gehört, von denen Ingenieure nur träumen können.

Die vier Unterseiten der Pfoten sind zunächst schlicht bestückt: mit je vier Zehenballen und einem großen Sohlenballen. An den Vorderpfoten befindet sich zusätzlich ein Handwurzelballen.

Und das ist nicht das einzige Detail, worin sich Vorder- von den Hinterpfoten unterscheiden. Während sich an den Hinterpfoten vier Krallen befinden, sind es an den Vorderpfoten fünf, die auch wesentlich stärker gekrümmt sind als die hinteren.

Der Grund dafür ist die besondere Funktion der Vorderpfote: Anders als bei den Hinterpfoten sind die vorderen Krallen der Katze dafür vorgesehen, Beute zu greifen und Widersachern eine unvergessene Backpfeife zu verpassen. Und: Beim Klettern auf Bäumen sorgen stärker gekrümmte Vorderkrallen für mehr Griffigkeit bei der senkrechten Aufwärtsbewegung.

Gut gewetzte Krallen sind die halbe Miete

Umso wichtiger ist es für Katzen, dass die Vorderkrallen eine gut geschärfte Sichelform haben –  und das Zeit ihres Lebens. Entsprechend intensiv betreiben Katzen aktive Maniküre und wetzen regelmäßig ihre vorderen Krallen. Dabei wird Horn von den Spitzen abgetragen. Unsere Stubentiger machen das an einem Baum in der Natur, einem Kratzbaum und besonders gerne am möglichst teuren Stoffbezug eines Wohnzimmersofas – sehr zum Verdruss so einiger Halter.

Leise anschleichen, dann zupacken

Im Ruhezustand und beim Laufen befinden sich die Krallen eingezogen und geschützt in den Hauttaschen der Pfote. Eingezogen sind sie auch dann, wenn eine Katze auf Beutefang geht – zumindest am Anfang.

Katzen sind Schleichjäger, die sich als „Zehengänger“ lautlos an ihre Beute heranpirschen. Erst wenn sie nah genug an der Beute sind, folgt die überraschende Attacke. Dann natürlich mit gezückten Krallen, um rasch zupacken zu können.

Technik, die begeistert

Doch der eigentliche Clou an Katzenpfoten ist: Technisch gesehen weisen sie Merkmale auf, die Daniel Düsentrieb nicht hätte besser erfinden können.

Beim Schreiten oder Laufen haben Katzenpfoten eine schlanke Form. Das ist vor allem bei schneller Fortbewegung ideal. Der Grund: Schmale Pfoten erzeugen weniger Reibungswiderstand. Die Katze verbraucht beim Laufen also weniger Energie.

Bei Richtungswechseln während der Jagd oder beim spontanen Abbremsen ist es umgekehrt. Dann verbreitern sich die Fußballen der Katze aktiv auf dem Boden. Die Standfläche wird vergrößert und der Reibungswiderstand erhöht. Die Katze hat so auch nach höheren Geschwindigkeiten ganz schnell einen sicheren Stand.

Weniger Spritverbrauch  – kurzer Bremsweg

Das Phänomen veranlasste schließlich Reifenhersteller dazu, diesen Mechanismus in die Produktion einfließen zu lassen. Dazu holten sie sich Rat von Knut Braun. Er ist Vorstand des Bionik-Zentrums an der Universität des Saarlandes. Der Experte befasst sich beruflich mit raffinierten Erfindungen der Natur, die in der Technik übernommen werden. Und so half er auch bei der Umsetzung der nach Katzenpfoten entwickelten Reifen.

Deren Vorzüge erklärt Knut Braun so: „Während der Fahrt hat der Reifen eine schmale Form. Durch die kleinere Auflagefläche verringert sich der Reibungswiderstand. Das spart Benzin. Beim Bremsvorgang wiederum verbreitert sich der Mittelteil des Reifens. Wie auch bei der Katze ergibt sich dabei ein kürzerer Bremsweg. Im Vergleich zu herkömmlichen Reifen kommt man selbst aus Tempo 100 zehn Meter eher zum Stehen. Das bedeutet natürlich auch mehr Sicherheit für den Fahrer.“

Allen technischen Meisterleistungen zum Trotz: Den meisten Katzen wird es ziemlich egal sein, dass sie auf nahezu nobelpreisverdächtigen Wunder-Tatzen durch die Gegend stolzieren. Für sie zählt nur eins: dass ihre Pfoten in jeder Lebenslage einsatzbereit sind.

Link-Tipp:

Wenn Sie mal schauen möchten, wie so ein spezieller Reifen nach dem Vorbild der Katzenpfote aussieht: ContiPremiumContactTM

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